Bloss keine Städtereise, bis die Kinder gross sind, denken sich viele Eltern. Sie liegen falsch: Passt man das Programm an, wird ein Wochenende auch mit kleineren Kindern vergnüglich. Gut, man schleppt weiterhin Bilderbuch, Schoppen und Windeln mit. Aber Abenteuer gibt es eh nie gratis.

Schon bei der Planung kann man einiges richtig machen. Das Ziel heisst: möglichst entspannt hin- und zurückfahren. Lange Reisewege ermüden Kinder – das sollte man bei der Auswahl der Destination berücksichtigen. Städte wie Paris, Mailand oder München erreicht man relativ rasch mit dem Zug, bei anderen ist ein kurzer Flug sachdienlich.

Besser nimmt man sich ein Appartement

Am besten wählt man eine Metropole, in der man schon war. Da weiss man gleich, in welchem Teil man sein Quartier aufschlagen wird. So zentral wie möglich, ­damit man sich lange Anfahrten erspart. Und besser in einem kleinen Studio oder ­Appartement mit Kochgelegenheit als in einem Hotelzimmer. Das hat einige Vor­teile: Man hat mehr Raum und isst dann, wenn die Familie Hunger hat (und nicht dann, wenn der Kellner zu Tisch ruft). ­Essen im Appartement ist zudem günstiger als im Restaurant und beruhigt die Lage – die Kinder werden sowieso gern zappelig, wenn sie zu lange aufs Essen warten müssen.

Ideal ist eine Städtereise mit ebenso vielen Erwachsenen wie Kindern. Alleinerziehende brauchen ziemlich Nerven, um drei kleine Kinder in einer Grossstadt im Alleingang zu bändigen. Mit nur einem Kind oder als Paar mit zwei Kindern ist es jedoch kein Kunststück, dass es allen gutgeht.

Museen, Burgen, Zoos, Aquarien oder Schifffahrten können Kinder faszinieren – stundenlange Shoppingtrips tun das nicht. Das Programm sollte sowieso nicht allzu vollgepackt sein. Warum nicht zwei Stunden im Park sitzen, während der Nachwuchs Blätter in den Teich befördert? So kommt man den Städtern viel näher, als wenn man von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzt.

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Beim Reiseveranstalter Hotelplan stehen London, Berlin und Paris bei den Städtereisen für Familien gegenwärtig hoch im Kurs. Gerade London ­eignet sich sehr gut für Reisen mit Kleinen: Schon Drei- und Vierjäh­rige können hier Spass haben. Einzig die ­U-Bahn gilt als wenig kinderwagenfreundlich, da nicht alle Zugänge mit Fahrstühlen ausgerüstet sind. Für kürzere Distanzen weicht man besser auf den Bus aus. Ein Highlight für Kinder jeden ­Alters ist das Riesenrad London Eye. Es liegt an der Themse. In grossen gläsernen Kapseln dreht man in 30 Minuten eine langsame Runde bis auf 135 Meter Höhe; hier bietet sich freie Sicht auf die Innenstadt mit ihren Wahrzeichen. Am besten geht man möglichst früh hin oder am ­späten Nachmittag – von 11 bis 15 Uhr sind die Warteschlangen am längsten.

Das Paradies hat sieben Stockwerke

Ein weiteres Muss auf der Londonreise mit Kindern ist der Diana Memorial Play­ground. Zu Ehren von Lady Di – die Kindergärtnerin war, bevor sie Prinz Charles heiratete – wurde beim Kensington-Palast ein riesiger Spielplatz eingerichtet, inklu­sive Piratenschiff, Wasserspielplatz und Indianertipis. Das Gelände ist rundum ­eingezäunt.

Der Kensington-Palast und damit auch Dianas grandioser Spielplatz liegen am Rand des Hydeparks, Londons grüner ­Lunge. Die grossflächige Anlage mit ihren kleinen Seen eignet sich bestens für Mädchen und Buben. Grosse Augen bekommen ­kleine Londonreisende im Spielzeugwarenhaus Hamleys an der Regent Street. Auf sieben Stockwerken findet sich, aus der Optik der Kinder gesehen, alles materielle Glück der Erde, während Mama und Papa im Kopf nochmals nervös das Reisebudget durchrechnen.

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Ältere Kinder sind vom riesig gros­sen Tower of London mit seinen Sälen und teilweise düsteren Gewölben fasziniert. Die ganz Kleinen können derweil die Raben beobachten, die im Hof herumspazieren und die Festung bewachen. Die Legende sagt, dass die Festung fällt, wenn der letzte Rabe verschwindet. Ebenfalls für ältere Kinder ist die Harry Potter Warner Bros. Studio Tour. Man muss nicht einmal Fan des berühmten Zauberlehrlings sein, um sich von der Entdeckungsreise durch Harry Potters Welt packen zu lassen.

Wer nicht fliegen möchte, fährt nach Paris oder nach München. Das Deutsche Museum beschäftigt Erwachsene locker länger als einen Tag. Der technikbegeis­terte Nachwuchs tummelt sich in der Kinderwelt, in der schon Zweijährige Spass haben können. Allgemein ist zu empfehlen, sich in Museen auf einzelne Bereiche zu beschränken oder sich nach Kinder- oder Familienführungen zu erkundigen.

Mit dem weitläufigen Englischen Garten, dem Glockenspiel auf dem zentralen Marienplatz und dem Bayern-Stadion ­Allianz-Arena lässt sich auch für die Münchenreise ein gutes Kinderprogramm zusammenstellen. Einzig die Aufpasser in der Pinakothek der Moderne wirkten beim ­Besuch unserer Gruppe mit zwei Zwei­jährigen und einem Fünfjährigen etwas ­angespannt.