Der pensionierte Wirt Armin Huber, 63, weiss sofort, dass er die Luxus-Kreuzfahrt von Peking über Südkorea und Schanghai nach Bangkok buchen will. Die «Neue Luzerner Zeitung» bot sie als Leserreise unter dem Titel «Asiatisches Potpurri» an: 23 Tage auf der «Legend of the Seas», einem schwimmenden Hotel für 2100 Gäste. Schon wähnt er sich bei Pekingente und Krokodilshow und freut sich auf den Sonnenuntergang über dem Gelben Meer. Kurzentschlossen bucht er die Reise für sich und seine Frau.

«Zum Wohl der Reisegruppe»

Doch Reiseveranstalter Lohri-Reisen teilt ihm mit, dass er an der Kreuzfahrt nicht teilnehmen könne. Grund: Huber sitzt im Rollstuhl. «Das ist behindertenfeindlich. Noch nie hat mich ein Reisebüro abgewimmelt», empört sich Armin Huber. Er war schon mehrmals auf einer Kreuzfahrt, hat so die Karibik erkundet und Feuerland. Bei den meisten Landausflügen, sagt Huber, habe er jeweils mitmachen können. Er wäre natürlich bereit, notfalls auf einige Ausflüge zu verzichten.

Lohri-Reisen erklärt dem Beobachter, die Reisebusse seien nicht rollstuhlgänig, weshalb Huber auf die Landausflüge verzichten müsste. Und fügt noch einen Grund für die Ab-sage an: «Aufgrund langjähriger Erfahrung wissen wir, dass unsere Kunden es schätzen, dass die Ausflüge ohne Verzögerungen durchgeführt werden. Hier gilt es für uns, neben dem Wohl von Herrn Huber auch das Wohl der gesamten Reisegruppe vor Augen zu halten», schreibt die Geschäftsführerin Christine Ziegler. «Die Gruppe wäre beeinträchtigt gewesen.»

Anderswo problemlos gebucht

Helena Bigler von Procap Reisen und Sport, einem auf Gehandicapte spezialisierten Reisebüro, sagt: «Behinderte sind unerwünscht. Das erleben wir oft.» Huber blieb hartnäckig und wird deshalb nicht auf Pekingente verzichten müssen. Er konnte dieselbe Kreuzfahrt dennoch buchen – bei einem deutschen Veranstalter. «Dort wurde ich mit offenen Armen empfangen.» Seine Behinderung sei kein Problem, hiess es, und er könne an zehn von 15 Landausflügen teilnehmen.