Die Chefetage der Rhätischen Bahn (RhB) war nicht sonderlich begeistert, als der Beobachter Anfang November massive Bremsprobleme der RhB-Züge auf Gebirgsstrecken pu­blik machte. RhB-Direktor Hans Amacker wies die Vorwürfe als «völlig haltlos» zurück, ein «genervter» Mediensprecher Peider Härtli erklärte auf Radio SRF 1, der Beobachter-Bericht stimme so nicht.

Doch nun rudert die RhB zurück: Gemäss «Südostschweiz» überprüft die Bahn die Bremsanlagen jener Zugkompositionen, die auf Gebirgsstrecken mit tiefen Temperaturen unterwegs sind – und ersetzt dabei sämtliche Brems­zylinder in den Fahrgestellen und rüstet die Bremsventile mit einer elektrischen Heizanlage aus. Grund: Der technische Dienst, der der Sache nachgegangen sei, habe festgestellt, dass die Bremswirkung an Tagen mit sehr tiefen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit tatsächlich eingeschränkt gewesen sei.

Diese verminderte Bremsfähigkeit führte am 8. Dezember – also rund einen Monat nach dem Zurückweisen der «haltlosen Vorwürfe» – zu einem Zugsausfall. Gemäss einem internen Dokument, das dem Beobachter vorliegt, bot ein Lokführer den Pikettdienst Rollmaterial auf, nachdem er Bremsprobleme festgestellt hatte. Eine Untersuchung ergab, dass drei Wagen seiner Komposition noch nicht mit beheizten Bremsen ausgerüstet waren.

Anzeige

Der Lokführer habe «besonnen und richtig gehandelt», lobte die RhB in einem Schreiben – und bat die Lokführer, «Auffälligkeiten» weiterhin zu melden.