Beobachter: Wann haben Sie sich das letzte Mal über die SBB geärgert?
Bruno Eberle: Vor ein paar Monaten, als ich in St. Gallen meinen Anschlusszug verpasste. Ich war extra früh aufgestanden und regte mich ziemlich auf.

Beobachter: Ist Pünktlichkeit denn ein Thema im Kundenbeirat?
Eberle: Ja, wir werden an einer der nächsten Sitzungen darüber sprechen. Ein paar Minuten Verspätung sind ja nicht schlimm. Wenn man aber, wie ich, den Anschlusszug verpasst, dann schon.

Beobachter: Immer wieder bemängeln Kunden auch die schlechte Information bei Störungen.
Eberle: Das ist wirklich sehr ärgerlich. Die Bahn muss offen und klar informieren. Sie soll sich nicht hinter schwammigen Begriffen wie «infolge einer technischen Störung» verstecken. Das ist Chabiszeug. Sondern klipp und klar sagen: Die Lok ist defekt oder die Tür klemmt.

Beobachter: Das fordern Reisende seit Jahren. Weshalb klappt das immer noch nicht?
Eberle: Es ist besser geworden. Aber ich selbst sass auch schon mehrfach in Zügen, die nicht weiterfuhren, trotzdem gabs keine Durchsage. Die Verantwortlichen der Bahn erklärten uns, Informationen würden eigentlich bis zu jedem Kondukteur fliessen.

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Beobachter: Interessieren sich die SBB für den Beirat? Oder wollen sie nur Kundennähe demonstrieren, nehmen das Gremium aber so wenig ernst wie Regierungsräte ein Jugendparlament?
Eberle: Ich glaube, die SBB wollen tatsächlich wissen, was uns Kunden wichtig ist und was weniger. Unsere Anliegen und Meinungen können wir bei den Verantwortlichen deponieren. Im direkten Gespräch haben wir wohl den grössten Einfluss.

Beobachter: Welche Themen kommen da beispielsweise zur Sprache?
Eberle: An der letzten Sitzung wollte die Bahn wissen, was wir davon halten, wenn sie das Nachlösen von Billetten im Zug ganz abschaffen würde, da der Aufwand dafür sehr gross sei. Dagegen wehrten wir uns vehement, fanden aber gleichzeitig, dass dieser zusätzliche Service etwas kosten darf. Oder jemand aus der Konzernleitung informierte uns, er habe jede Woche ein, zwei Angebote für Werbung auf dem Tisch. Bisher habe er alle abgelehnt, weil er glaubte, die Kunden fühlten sich dadurch gestört. Der Kundenbeirat hat aber nichts dagegen, solange nicht Fenster mit Werbung zugeklebt werden. Zudem müssen die zusätzlichen Einnahmen dazu dienen, die Qualität zu verbessern oder dass Tarife weniger stark erhöht werden müssen.

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Beobachter: Hat sich der Kundenbeirat denn gegen die Tariferhöhung zum Fahrplanwechsel gewehrt?
Eberle: Wir sind bereit, die Teuerung zu bezahlen und für zusätzlichen Komfort sogar noch etwas obendrauf. Doch jetzt hat schon die Diskussion für die übernächste Preiserhöhung zum Fahrplanwechsel 2011 begonnen. Das finde ich schlecht, weil die Bahn damit ihre Kunden verunsichert.

Beobachter: SBB-Chef Andreas Meyer verunsichert seine besten Kunden, indem er immer wieder betont, wie schlecht die Generalabos rentieren.
Eberle: Die SBB sind wohl die einzige Firma, die zu viele Kunden hat. Ich darf das ja fast nicht laut sagen, aber ein GA ist immer noch günstig. Das Problem dahinter ist doch, dass die Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort immer grösser wird und die Politik darauf keine Antwort hat.

Beobachter: Was hält der Kundenbeirat von den Plänen, Billette an Züge zu knüpfen, um in Stosszeiten für Entlastung zu sorgen?
Eberle: Damit und mit der Idee, einen Zuschlag für Pendlerzüge einzuführen, bissen die SBB bei uns auf Granit. Kunden müssen frei entscheiden können, welchen Zug sie nehmen. Dieser offene Zugang ist ein riesiger Vorteil unseres öffentlichen Verkehrs, den wir keinesfalls preisgeben dürfen.

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Der Kundenbeirat der SBB

Die 29 Mitglieder sollen einen Querschnitt der SBB-Kundschaft abbilden. Vom Austausch mit dem Gremium erhofft sich die Bahn, ihre Kundenfreundlichkeit zu verbessern. Entscheidungskompetenz hat der Beirat aber keine.