Unter der Woche fährt Familie Genoni zweigleisig: Mutter Lis ist Lehrerin in Ruswil LU, wo sie mit ihren Kindern Andreas, Véronique und Annelore auch wohnt. Vater Alessandro Genoni hingegen arbeitet bei der Swisscom und lebt mit seinem Sohn Oliver im zürcherischen Thalwil.

Weil Alessandro Genoni viel unterwegs ist, hat er seit Jahren ein Generalabonnement (GA) erster Klasse. Frisch verheiratet mit Lis, wollte er im Frühling für seinen eigenen Sohn und die drei Stiefkinder je ein verbilligtes Familien-Generalabonnement à 800 Franken lösen. Doch die Bahn winkte ab. Die Familie könne nur dann profitieren, wenn alle Kinder beim GA-Besitzer wohnen würden. Ausnahme: Bei geschiedenen Paaren dürfen die Kinder auch beim anderen Elternteil wohnen. «Die Bestimmungen wurden in den letzten Jahren laufend geöffnet, damit auch Familien in neuzeitigen Lebensformen von stark ermässigten Preisen profitieren können. Bisher war uns kein Fall wie die Familie Genoni bekannt», erklärt Mediensprecher Roland Binz.

«Moderne Patchworkfamilien wie unsere wird es immer mehr geben, doch die Bahn wird diesen nicht gerecht», findet hingegen der Familienvater. Damit ist er nicht allein. Auch Cornelia Füeg von der Ombudsstelle öffentlicher Verkehr kritisiert die Bahn: Was für Kinder von geschiedenen Eltern gilt, sollte auch für die verheirateter Eltern möglich sein, schrieb sie der Familie Genoni. Sie werde deshalb den SBB empfehlen, die Tarifstruktur diesbezüglich anzupassen.

Doch allzu grosse Hoffnungen erstickte sie gegenüber der Familie im Keim: «Dabei handelt es sich um einen Prozess, der nicht von heute auf morgen geschehen kann. Ob Sie und Ihre Familie noch von einer Neuerung profitieren könnten, scheint mir sehr fraglich.» Immerhin verspricht Binz jetzt, dass solche Familienformen bei künftigen Geltungsanpassungen geprüft werden.

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