Ich bin es einfach leid, immer wieder mit umgestülpten Hosentaschen dazustehen. Wie neulich bei der Einreise auf dem Flughafen von Nizza. Dabei hatte ich mir eigens einen Schlachtplan zurechtgelegt: dem Zöllner direkt in die Augen schauen und unter keinen Umständen den Boden oder den Ausgang fixieren. Doch mein Plan schlug fehl: Der Beamte deutete meinen Blick offenbar als Zeichen dafür, dass ich etwas zu verbergen hatte. Jedenfalls wies er mich an, das Gepäck zu öffnen.

«Verdammt!», fluchte ich insgeheim. Mein augenfälliger Unmut bewirkte, dass sich die Miene des Zöllners verfinsterte. Ein klammes Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus. Siegessicher dagegen mein Gegenüber. Mit stoischer Ruhe zauberte er eine originalverpackte Leica-Fotokamera hervor. «C’est quoi ça?», bellte er. Ich erklärte ihm, das Gerät sei ein Geburtstagsgeschenk für meine Freundin, die eben den Zoll passiert habe. «Aha? Votre copine!» Der Gesichtsausdruck des Zöllners verdunkelte sich nochmals. Zum Glück konnte er nicht sehen, wie mir der Schweiss zähflüssig das Rückgrat herunterlief.

Dann fand er meinen treusten Reisebegleiter: ein kleines Hirsekissen. Er schüttelte es und schaute mich an, als sei ich ein Taliban. «Ich bin aber kein Taliban!», hätte ich ihm am liebsten ins Gesicht geschrien. Stattdessen schaute ich ihn betreten an und hoffte, dass er das unschuldige Kissen nicht aufschneiden würde. Aber der Zöllner hatte sich bereits meinem Necessaire zugewandt. Unvermittelt heiterte sich sein Gesicht auf, als er ein durchsichtiges Plastiksäckchen mit einem bräunlichen Pulver drin herausfischte. Jetzt glaubte er, mich endlich überführt zu haben, und jauchzte: «Et c’est quoi ça?» Ich stammelte, das sei ein pflanzliches Heilmittel. Natürlich glaubte er mir nicht. Doch zum Glück stinkt das chinesische Kräuterzeugs so deftig nach Curry, dass der Zöllner konsterniert den Kopf schüttelte, als er daran roch. Endlich liess er mich ziehen.

Schlimmer kann es nicht mehr kommen, dachte ich damals. Mittlerweile jedoch liebe ich Zollkontrollen. Ja, sollen sie mich nur kontrollieren. Denn das bedeutet immerhin, dass man mit Gepäck ankommt. Nicht wie bei meiner letzten Reise, als mein Gepäck aus unerfindlichen Gründen zwischen Sri Lanka und Zürich verlorenging.