Das war vielleicht einmal, als die Söhne aus besserem Hause die obligate, «Grand Tour» genannte Bildungsreise von Paris bis nach Sizilien, zur Wiege der westlichen Zivilisation, unternahmen. Heute, wo einem mit wenigen Mausklicks ganze Bibliotheken zur Verfügung stehen, hat es niemand mehr nötig, zu Bildungszwecken durch die Welt zu reisen. Selbst die Engländer, die einst glaubten, niemand könne Livius und Caesar verstehen, der Rom nicht kenne, sind heute auf Reisen mit ganz anderen Phänomenen konfrontiert, berichtet der englische Reiseverband.

Wie jene britische Familie, die in den schönsten Wochen des Jahres eine böse Überraschung erlebte: Niemand hatte ihnen gesagt, dass im Meer Fische sein würden. «Die Kinder waren geschockt», beschwerten sie sich beim Veranstalter. Überhaupt scheinen Tiere die Ferien gründlich verderben zu können. Moskitos zum Beispiel. Dass die Biester auch zustechen, klagte ein anderer Reiseteilnehmer, hätte man ihm verschwiegen.

Grund für Ärger im Urlaub bietet auch immer wieder der Strand. Weil er in Wirklichkeit selten so aussieht wie im Katalog. Das musste auch ein entnervter Badetourist feststellen: Das Bild im Prospekt zeige gelben Sand, schrieb er seinem Reisebüro – tatsächlich sei der Strand aber weiss gewesen. Einem andern hingegen war der Strand schlicht «zu sandig».

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Viel zu viele Spanier in Spanien

Anlass zu Kritik geben auch Land und Leute. Ein empörtes Schreiben aus Spanien monierte, es gäbe zu viele Spanier dort, und zudem sei das Essen spanisch. Das einheimische Gewerbe kommt nicht viel besser weg. Es sei eine Frechheit, dass die Ladenbesitzer während der Nachmittagsstunden schliessen und man nicht einkaufen könne: Die Siesta gehöre verboten. Andere waren entrüstet, weil sich die Fünf-Euro-Ray-Ban-Sonnenbrille vom Strassenhändler als Fälschung herausstellte.

Auch das kulinarische Angebot lässt im Ausland oft zu wünschen übrig. Ein Gast einer Hotelkette in Australien beschwerte sich darüber, dass seine Suppe zu dickflüssig gewesen sei – er hatte die Suppenschüssel mit der Saucenterrine verwechselt. Je exotischer die Küche, desto grösser die Irritation: Ein Indien-Reisender war während seines Goa-Urlaubs schlicht «angewidert», da fast jedes Restaurant Currygerichte servierte – und er scharf gewürzte Speisen nicht mag.

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Dass auch das falsche Logis gravierende Folgen haben kann, zeigt das Beispiel der jungen Frau, die mit ihrem Verlobten ein Zimmer mit zwei Einzelbetten gebucht hatte und dann ein Doppelbett vorfand. «Hätten wir das von uns gewünschte Zimmer bekommen, wäre das nicht passiert», schreibt sie entrüstet. Die Frau wurde schwanger.

Logisch, dass ich mir da Sorgen zu machen beginne, was meine nächsten Ferien anbelangt. Wer garantiert mir, dass mir die Grüne Insel nicht zu grün vorkommt oder dass mir blökende Schafe nicht den Schlaf rauben? Vielleicht laufe ich auch Gefahr, Alkoholikerin zu werden, weil mir ein gastfreundlicher Ire ein Guinness spendiert.

Nun, das Schlimmste wäre wohl, wenn der Liedermacher Wolf Biermann recht gehabt hätte, als er sagte, dass manche dümmer zurückkommen, als sie weggefahren sind. Wer, bitte schön, übernimmt dafür die Haftung?

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