Zwei Polizisten, die den Streifenwagen vor dem Haus abstellen und dann an der Tür klingeln: eine Szene, die die meisten nur aus Filmen kennen. Unangenehm ist es, wenn man selber die Hauptrolle spielt – erst recht zur Feierabendstunde, wenn die ganze Nachbarschaft zu Hause ist und sich an der Action erfreut. So erging es Bernhard Dall (Name geändert) aus Zürich, den das Auftauchen der Beamten ziemlich erstaunte – und noch mehr der Grund dafür: eine simple Parkbusse über 44 Euro aus Italien, wo er ein halbes Jahr zuvor Ferien mit seiner Familie verbracht hatte.

«Das kommt vor», sagt Michael Wirz, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. «Wenn ein Rechtshilfeersuchen für die Zustellung gestützt auf ein zwischenstaatliches Übereinkommen eintrifft, müssen wir dem nachkommen.» Umgekehrt stellt die Stadtpolizei Ausländern, die hier gegen die Verkehrsregeln verstossen haben, jedoch keine Bagatellbussen auf dem Rechtshilfeweg zu. «Der Aufwand für das Rechtshilfeersuchen stünde in keinem Verhältnis zur Höhe der Busse.»

Im Fall von Bernhard Dall wurde die Situation geradezu kafkaesk, als der eine Uniformierte – wohl aus purer Gewohnheit – seinen massiven Stiefel zwischen Tür und Rahmen stellte, während sein Kollege, weiter hinten stehend, «absicherte». Die dennoch freundlichen Herren übergaben Dall die Busse mit der unverbindlichen Empfehlung, sie zu begleichen – und dem zusätzlichen Hinweis, dass es ihnen eigentlich egal sei, ob er das tue oder nicht. Sie seien lediglich mit der Zustellung des Dokuments beauftragt, so die Polizisten.

Bei erneuter Einreise kann es Probleme geben

Dass ein Zwei-Mann-Team ausrückt, um eine Busse von umgerechnet 65 Franken zu überbringen, ist ungewöhnlich. «Ausländische Verkehrsbussen können direkt per Post an die betroffene Person in der Schweiz zugestellt werden», sagt Folco Galli, Informationschef des Bundesamts für Justiz. Wer den ihm zur Last gelegten Sachverhalt bestreitet, könne bei der ausländischen Behörde seine Einwände fristgerecht geltend machen. Für die Vollstreckung der Busse, so Galli weiter, bestehe zwar eine Rechtsgrundlage – die bei Bagatellfällen aber nicht angewendet werde. Möchte man das fragliche Land später wieder bereisen, ist man aber in jedem Fall gut beraten, zu bezahlen, da es sonst bei der nächsten Einreise zu Problemen kommen kann.