Der Germanwings-Flug aus Salzburg setzte mit einer Verspätung von exakt zwei Stunden 58 Minuten auf der Landebahn bei Köln/Bonn auf. Fünf Minuten später erreichte das Flugzeug die Parkposition, kurz da­rauf öffneten sich die Türen.

Wegen dieser Verspätung verlangte ein Reisender 250 ­Euro Entschädigung von der deutschen Billig-Airline. Denn eine EU-Verordnung, die auch für die Schweiz gilt, besagt, dass je nach Flugdistanz ein Anspruch auf eine Entschä­digung zwischen 250 und 600 Euro besteht, wenn das Flugzeug mit mehr als drei Stunden Verspätung am Ziel ankommt.

«Mindestens eine Tür offen»

Germanwings weigerte sich zu zahlen. Die Begründung: Für die Berechnung der Verspätung sei der Zeitpunkt der Landung ausschlaggebend, und diese sei nach zwei Stunden und 58 Minuten erfolgt.

Der Europäische Gerichtshof sieht das anders. In einem Grundsatzurteil hat er entschieden, dass als Ankunftszeit weder das Aufsetzen des Flugzeugs auf der Landebahn noch das Erreichen der Parkposition entscheidend sei. Ein Flugzeug gilt erst dann als angekommen, wenn «mindestens eine Flugzeugtür geöffnet ist und die Passagiere das Flugzeug verlassen dürfen».

Die Flugpläne ändern?

Dieser Entscheid werde Auswirkungen auf die Flugpläne haben, sagt der Schweizer Reiserechtsspezialist Rolf Metz. «Die Airlines werden die Pläne auf das Öffnen der Flugzeug­türen abstimmen müssen. Sonst riskieren sie, Entschädigungen zahlen zu müssen.»

Falls eine Airline nicht zahlt, wendet man sich an das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Fehlbaren Airlines droht eine Busse von bis zu 20'000 Franken.

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