Früher war zwar nicht alles besser, aber vieles einfacher, zum Beispiel der Kauf eines Zugbilletts. Es galten feste Preise bis zum nächsten Aufschlag. Wer heutzutage reist, insbesondere ins Ausland, muss einen erheblichen Rechercheaufwand leisten, um zur günstigsten Variante zu gelangen. «Es gibt extrem viele Tarife und Tarifsysteme, und vor allem die Billettpreise im Ausland sind oft chaotisch», sagt ein SBB-Angestellter an der Front, der darüber eigentlich gar nicht sprechen dürfte. Denn eine Anfrage für ein Gespräch mit Kundenberatern lehnten die SBB ab - gemäss Sprecherin Rahel Koerfgen, «weil jeder Mitarbeiter die Thematik subjektiv erlebt» und ein solches Gespräch «kein allgemeingültiges Bild vermitteln» würde.

Wer früher bucht, fährt billiger
Versuchen wir trotzdem, aus verschiedenen Puzzleteilen ein Bild der Tarifsituation zu erstellen. Wer zum Beispiel 2. Klasse von Zürich nach Hamburg retour reist, zahlt im Normalfall 483 Franken. Günstiger mit 365 Franken ist das Billett im Rahmen von «Plan&Spar», doch muss man dabei mindestens drei Tage im Voraus buchen und Samstag oder Sonntag am Zielort verbringen. Am günstigsten ist das «Click&Rail»-Ticket, das nur über Internet gebucht werden kann. Hier kostet eine einfache Fahrt 63 beziehungsweise 95 Franken. Allerdings gelten diese Preise nur für ganz bestimmte Züge zu festgesetzten Zeiten.

Auch der Normalpreis ist nicht fix. Im Dezember 2007 hat die Deutsche Bahn (DB) ihr Tarifsystem umgestellt; die Preisspanne bei den DB-Zügen hat sich stark gespreizt. So kostet etwa am 12. Januar 2008 der Normaltarif von Basel nach Hamburg 119 Euro. Am gleichen Tag gibt es aber auch Plätze mit einschränkenden Bedingungen für 29 Euro. Diese Vielfalt macht die Suche nach den besten Preisen noch komplizierter.

Zeitraubend kann es sein, die Tarife für Reisen nach Frankreich zu ermitteln. Der Normalpreis Basel-Paris einfach beträgt 135 Franken. Dazwischen gibt es alle möglichen Varianten bis zur günstigsten von gerade mal 32 Franken. Dieses Ticket, wie alle preiswerten, ist allerdings kontingentiert: Wer zuerst kommt, fährt am billigsten. Wie hoch die Kontingente sind, die sich jeweils der Nachfrage anpassen, wissen nicht einmal die Angestellten am Schalter. Lohnenswert kann ein Blick ins Internet sein, wo sich die ganze Spannweite der TGV-Preise auftut: Eine Reise im Januar 2008 von Basel nach Marseille kann im selben Zug zwischen 70 und 159 Franken kosten, retour 43 bis 159 Franken.

Immer mehr nähert sich das Buchungssystem der Bahnen demjenigen der Flugreisen an: eine grosse und verwirrende Vielfalt von Tarifsystemen und Preisen, die je nach Tag, Tageszeit und Zug stark ändern können. «Wir müssen das machen», sagt Thierry Müller, Leiter Markt Schweiz bei TGV Lyria, «wegen der Konkurrenz der Airlines. Aber bei uns kann man sicher sein, dass wir die Preise innerhalb der Buchungsfrist nicht senken.»

«Es ist richtig, dass je nach Buchungszeitpunkt und Tageszeit beim TGV jeweils verschiedene Tarife gelten», bestätigt Rahel Koerfgen. Für den erwähnten SBB-Angestellten am Schalter heisst das: «Wenn es da noch eine lange Schlange mit nervös wartenden Kunden hat, dann reicht die Zeit nicht aus - wie auch bei anderen Angeboten -, um jede erdenkliche Tarifkombination zu rechnen.» Da beschränke man sich auf ein paar wenige Varianten. Demgegenüber meint die SBB-Sprecherin: «Das Schalterpersonal nimmt sich die entsprechende Zeit.»

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Manch ein Bahnkunde ist sauer
Gross ist die Spannweite auch bei Reisen nach Österreich: Wer von Zürich nach Graz fährt, zahlt laut SBB in der 2. Klasse beim Normaltarif 283 Franken retour. Mit einem Halbtax-Abo reduziert sich dies auf 203 Franken, mit «Plan&Spar» und GA auf 135 Franken. Mit «Click&Rail» kostet es 47 respektive 72 Franken pro Weg mit zeitlichen Einschränkungen. Auch die ÖBB bieten Online-Tickets für knapp 50 Franken pro Weg an. Markant sind Vergünstigungen in der 1. Klasse. Während der Normalpreis 427 Franken kostet, beträgt er bei der Kombination von «Plan&Spar» und GA lediglich 188 Franken.

Mit Schnäppchenpreisen versuchen viele Bahnen, leere Plätze zu füllen und den Fluglinien Kunden abzujagen. «Wenn wir bei den Preisen nicht flexibel reagieren würden, müssten wir im schlimmsten Fall Verbindungen streichen oder die Preise erhöhen», sagt Thierry Müller. Als Easy Jet mit günstigeren Tarifen die Zuglinie Genf-Paris konkurrenzierte, verlor der TGV, der damals Fixpreise hatte, innert zweier Monate 15 Prozent Marktanteil. Heute beträgt er wie vorher wieder 53 Prozent.

Die flexible Preisstruktur bringt es mit sich, dass Reisende für dieselbe Strecke im selben Zug das Doppelte oder mehr zahlen können, was häufig zu lebhaften Gesprächen und mitunter auch zu Reklamationen am SBB-Schalter führt. Unser Gewährsmann dort sagt: «Es gibt immer wieder Kunden, die verärgert reagieren, wenn sie nicht das günstige Angebot aus der Werbung erhalten, weil das Kontingent ausgeschöpft ist, sondern dreimal mehr bezahlen müssen.» Von einer allgemeinen Zunahme der Reklamationen wollen die SBB allerdings nichts wissen.

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Günstige Zugtickets: so einfach gehts

  • Buchen Sie Ihre Reise möglichst früh, so kommen Sie bei etlichen Bahnen in den Genuss von Frühbucherrabatten. Der TGV öffnet die Buchung drei Monate vor Abfahrt.
  • Buchen Sie Ihr Ticket nicht gerade zu Stosszeiten. Nur wenn das Personal genügend Zeit hat, kann es auch alle möglichen Tarifvarianten durchspielen.
  • Erwähnen Sie bei Auslandsreisen, dass Sie ein SBB-Generalabonnement oder ein Halbtax-Abo haben.
  • Schauen Sie sich im Internet nach den zahlreichen Sonderangeboten um. Etwa die «Click&Rail»-Angebote: http://mct.sbb.ch/....
  • Erkundigen Sie sich, ob sich der Kauf eines Rail-Plus-Abos (25 Franken) lohnt. Damit erhalten Sie 25 Prozent Rabatt in etlichen europäischen Ländern.
  • Günstige Kontingentsplätze - etwa im TGV - sind für den Samstagnachmittag einfacher zu ergattern als für den Montagmorgen.
  • Platzreservationen müssen meist separat bezahlt werden. In nicht gut besetzten Zügen sind sie oft unnötig.
  • Beratung erhalten Sie beim SBB-Call-Center in Brig (0900 300 300), das rund um die Uhr erreichbar ist. Damit Ihre Telefonspesen nicht zu hoch ausfallen, bieten die SBB bei Anfragen einen Rückruf an.
  • Recherchieren Sie selber die Tarife auf den Webseiten der verschiedenen Bahnen:
    SBB: www.sbb.ch
    TGV: http://ch.tgv.com/de
    Deutsche Bahn: www.bahn.de
    Österreichische Bundesbahnen: www.oebb.at
    Trenitalia: www.trenitalia.com