Schiffli faare uf em See, cha me schöni Sache gsee», heisst es im Kinderlied. Das fanden letztes Jahr auch rund zwölf Millionen Passagiere, die per Schiff auf einem Schweizer See oder Fluss unterwegs waren. Eine einstündige Schifffahrt auf dem Zürichsee – zum Beispiel von Zürich nach Wädenswil – kostet für eine Einzelperson ohne Ermässigung Fr. 8.80. Gleich viel zahlt eine vierköpfige Familie mit Halbtaxabo und Juniorkarte.

Wer so günstig zu seinem Ausflugsvergnügen kommen will, ist im Tessin auf dem falschen Dampfer. Die ebenfalls etwa einstündige Fahrt von Locarno nach Canobbio kostet auf dem Lago Maggiore Fr. 19.80 pro Erwachsenen. Eine vierköpfige Familie bezahlt Fr. 59.40. Nimmt sie gar das Schnellboot, dann sind es nochmals 12 Franken mehr.

Während eine Schweizer Gesellschaft auf dem Luganersee das alleinige Sagen hat, betreibt die staatliche italienische Gesellschaft Navigazione Lago Maggiore (NLM) die Schifffahrt auf dem Langensee. Und sie akzeptiert keine der in der Schweiz gültigen Vergünstigungen, sei es nun das GA, das Halbtaxabo, die Juniorkarte oder den Swiss-Boat-Pass, das Halbtaxabo für die Schweizer Gewässer (35 Franken pro Person, 50 Franken pro Familie). Dies gilt selbst für den rein innerschweizerischen Verkehr, zum Beispiel zu den Brissagoinseln. Besonders ärgerlich: Diese Preise gelten nur auf Schweizer Seite. Auf inneritalienischen Fahrten bezahlt man deutlich weniger – für eine einstündige Fahrt umgerechnet gut sieben statt fast 20 Franken.

Mit Ausnahme des Bodensees hat jeweils eine Monopolgesellschaft pro See das Sagen. Am billigsten sind Schifffahrten auf dem Hallwiler-, dem Bieler-, dem Neuenburger- und dem Murtensee. Der teuerste See der Deutschschweiz ist der Vierwaldstättersee (siehe «Preise»). Bei Flotte und Angebot bestehen jedoch beträchtliche Unterschiede. «Ihre Tarife kann jede Gesellschaft weitgehend nach eigenem Ermessen festlegen», erklärt dazu Davide Demicheli vom Bundesamt für Verkehr, das die Schifffahrtskonzessionen für die Schweizer Seen erteilt. «Wir sind primär für die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen verantwortlich.» Eine Ausnahme bilden die Linien, die eine Abgeltung für Transportleistungen erhalten. So subventioniert der Bund etwa die Fahrten von Lausanne nach Evian in Frankreich. Gesamtschweizerisch betragen diese Zahlungen 2,7 Millionen Franken.

Die Schifffahrt rentiert nicht


Die meisten Gesellschaften schreiben rote Zahlen. Für reinen Tourismusverkehr bezahlt der Bund aber seit Inkrafttreten des revidierten Eisenbahngesetzes im Jahr 1996 keine Subventionen mehr. Kantone und Gemeinden springen stattdessen in die Bresche. Die im Verband der Schweizerischen Schifffahrtsunternehmen zusammengeschlossenen Gesellschaften haben 2002 einen Verlust von 17,8 Millionen Franken eingefahren. Das sind umgerechnet Fr. 1.50 pro Passagier.

Besonders gross sind die Verluste interessanterweise auf dem Lago Maggiore. Die NLM zahlt trotz oder wegen der satten Preise pro Passagier sechs Franken drauf. Ein Defizit, das vollumfänglich von italienischer Seite gedeckt wird.

In einer finanziell komfortablen Situation befindet sich dagegen die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Sie ist nämlich voll in den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) integriert. Für ihre Transportleistung wird die ZSG vom ZVV entschädigt, im letzten Jahr mit einem Betrag von 14,5 Millionen Franken. In der Branche spricht man von Dumpingpreisen – den Passagieren kanns nur recht sein.

Quelle: ST / swiss-image.ch