Der vierjährige Dimitri stapft den Hügel vor der Ferienwohnung in Bergün GR hinauf. Es liegt viel Schnee, und der Kleine freut sich auf seine Schlittenfahrt. Er setzt sich in seinen Plastikbob, ruft: «Ich bin ein Ferrari» und blocht den Hang hinab.

Bergün im Albulatal ist ein Paradies für Schlittler nicht nur für Kinder. Die fünf Kilometer lange Schlittelbahn von Preda nach Bergün lockt im Winter alle Altersstufen an: viele junge Leute, Familien, aber auch Sportler. 600 offizielle Schlittelbahnen gibt es im Alpenraum. Die mit elf Kilometern längste Strecke in der Schweiz führt von Kreuzboden nach Saas Grund im Kanton Wallis.

Mehr Tempo beim Rodeln

Der Schlitten als Transportgerät existiert schon länger, als man denkt: Der älteste noch erhaltene fahrbare Untersatz mit zwei Kufen stammt aus dem achten Jahrhundert und wurde in Norwegen gefunden. Aber schon die Ägypter benutzten Schlitten für den Bau der Pyramiden, und in den Alpen wurde früher das Holz mit grossen Hornschlitten zu Tal gebracht.

Als Zeitvertreib wurde das Schlitteln erst nach dem Beginn des Alpentourismus im 19. Jahrhundert erfunden angeblich von den Engländern in Davos. Dort fand 1883 das erste internationale Wettschlitteln statt.

Mit der Zeit verdrängte das Skifahren das Schlitteln als Volkssport. Erst in den letzten Jahren ist es wieder «in» geworden, und die Nachfrage nach guten Schlittelbahnen in den Skigebieten steigt.

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Wilhelm Iseli, Materialwart des Schlittelklubs Zürich, freut sich über diesen Trend. Der 59-jährige Berner ist seit zehn Jahren begeisterter Rodler. Rodeln und Schlitteln gelten zwar als Synonyme, doch es gibt einen Unterschied: Rodel sind lenkbare Schlitten. Wilhelm Iseli: «Im Gegensatz zum Schlitten hat der Rodel ein flexibles Grundgerüst und gebogene, schräg gestellte Kufen. Das ermöglicht präzises, sicheres Steuern und erhöht die Fahrsicherheit.» Mit einem Rodel lässt sich der Schlittelgenuss deutlich steigern, und man ist schneller unterwegs. Man fährt in starker Rückenlage und steuert durch Gewichtsverlagerung, durch Ziehen am Lenkriemen und Druck auf die Kufen. Anders als beim herkömmlichen Schlitteln sind beim Rodeln die Beine gestreckt und liegen locker auf den vorderen Kufen. Da beim Rodeln hohe Geschwindigkeiten erreicht und Schlittelbahnen benutzt werden, ist dieser Sport nichts für Kleinkinder.

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Dimitri muss sich deshalb noch eine Weile mit seinem Plastikbob vergnügen, bevor er auf der Bergüner Schlittelbahn auf einen Touren- oder Sportrodel umsteigen kann.