Sogenannten «Infoporn» prophezeit das deutsche Zukunftsinstitut als einen Megatrend für die Märkte von morgen. Das ist analog zu «Infotainment» eine Kombination aus Information und Pornographie – also eine Darstellungsform, die vor allem durch ihre anmachende Aufmachung besticht.

Politiker sollten jetzt reagieren. Denn wo bleiben die Medien als vierte Macht im Staat, wenn in ihnen nur noch von flotten Dreiern die Rede ist? Wie sollen wir uns eine Meinung über AKWs, PUKs und UBS bilden, wenn es nur noch FKK heisst? Wenn es statt Hintergründen und Zusammenhängen nur nackte Tatsachen gibt?

Richtig schlimm ist, dass clevere Lobbyisten auch diese Entwicklung zu ihren Gunsten zu nutzen wissen werden. Sie schicken einfach echte Hingucker wie Gina Wild, Dolly Buster oder Laetitia Zappa ins Gefecht. An vorderster Front, im Parlament, reiten diese Sexbomben auf den Paragraphen – und die Diskussion wird garantiert heiss.

Sie glauben nicht, dass es so weit kommen wird? Dann denken Sie beim Stichwort Rom wahrscheinlich immer noch an den Papst und den Vatikan – und nicht an Berlusconi und sein Puppenkabinett. Überhaupt: Niemand wird sich mehr auf die Inhalte der Debatte konzentrieren, wenn die Verpackung der Ladys mal weg ist.

Anzeige

Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Damen durchaus über Expertenwissen verfügen – zum Beispiel beim Verkehr. So werden sie der zweiten Röhre im Gotthard garantiert zum Durchstich verhelfen.

Nicht nur Emanzen können laut sein

Wo das hinführt, kann man sich ja vorstellen: mehr Kurven auf den Zufahrten, unzählige Parkbuchten im Tunnel und eine rot blinkende Deckenbeleuchtung. Diese Extras werden wieder Milliarden kosten – und dem Budget tiefrote Zahlen bescheren.

Doch man sollte nicht zu sehr schwarzmalen. Die horizontale Kommunikation hat auch ihre positiven Seiten. Denn Männer mit Bauch und Brille sind einfach nicht sexy, und darum verschwindet Christoph Blocher endlich aus der Öffentlichkeit. Die Jungen interessieren sich wieder für Politik. Und aus Frust wird Lust.

Positive Auswirkungen hat der Trend auch auf die Gleichberechtigung: In Zukunft sehen wir in den wichtigen Diskussionssendungen Frauen am Bildschirm. Dass sich ihr Beitrag meist auf ein «Uuu», «Aaa» und «Ooo» beschränken wird, sollte selbst Feministinnen nicht weiter stören – immerhin dürfen sie für einmal laut werden, ohne gleich als Emanzen zu gelten.

Anzeige

Nicht zuletzt hat auch das Schweizer Fernsehen endlich mehr Zuschauer. In der «Rundschau» gibts wirklich was zu sehen. Und die «Arena» wird zum Quotenrenner – vorausgesetzt, im Leutschenbach verjüngt man das Personal, stellt die Stehpulte weg und installiert stattdessen Liebesschaukeln.

Vielleicht sollte man aber die deutschen Zukunftsforscher nicht zu ernst nehmen und sich besser an ihre Schweizer Kollegen vom Gottlieb-Duttweiler-Institut halten. Die GDI-Experten bleiben sauber und propagieren «Freeconomy» und «Global Playing». Das sind gute News: In einer kostenlosen Ökonomie wird alles gratis, und anstatt auf Klimagipfeln über die globale Erwärmung zu streiten, spielen China und die USA lieber eine Runde «Mensch ärgere dich nicht».

Das ist schön. Und seien wir ehrlich: Mit einem Strip-Poker zwischen Obama und Merkel wäre der Natur besser gedient – da würden selbst Vielflieger, Offroader-Fahrer und Hersteller von Heizpilzen aufhorchen.

Anzeige