So gewinne ich natürlich nichts und spiele nun erst recht nicht, gewinne also wieder garantiert nichts, weshalb ich logischerweise nie spiele und so weiter. Todsicher, wie gesagt.

Denn ich will nie ein Lottokönig werden. Lottokönige müssen Champagner zum Frühstück schlürfen, lärmende Ferraris fahren und sich in Nachtklubs herumtreiben, wenn andere schlafen. Das ist doch kein Leben!

Folglich unterlasse ich auch alle anderen Gewinnspiele. Sollte ich dort nämlich doch gewinnen, käme ich vielleicht auf den Geschmack und würde mein todsicheres System aufgeben. Ein schwacher Moment, ein paar Kreuze hingekritzelt, nur so zum Spass – schwupps ist man Lottokönig! Man kennt solche Schicksale ja aus den Medien. Ausserdem brauche ich keinen Laubbläser, kein Rätsellexikon, keine Busfahrt nach Andalusien oder was sie einem bei diesen Spielen sonst noch alles unterjubeln.

Ausgerechnet mir hat nun eine Zuwendungsstelle Hanussen aus Wien geschrieben. In einem «Bewilligungsbescheid» macht mir «Hanussen, der grösste Lebensberater der Schweiz», die «hocherfreuliche Mitteilung», dass ich aus Hanussens «Gesamt-Hilfssachfonds» unwiderruflich bedacht worden sei. Zuwendungen im Gegenwert von 10000 Euro stünden mir nun zu, und zwar, so schreibt Hanussen, «aufgrund Ihrer schlechten wirtschaftlichen Situation». Ach ja?

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So nicht, Hanussen!

Ich will Hanussens Zuwendung nicht – aus vier Gründen. Erstens aus Prinzip, siehe oben. Zweitens, weil ich Fr. 49.90 zahlen müsste, damit die «Ausfolgung der Zuwendung im Gegenwert von Euro 10'000 erfolgt». Wer so schreibt, ist verdächtig. Drittens ist dieser Gegenwert bei näherem Hinsehen eine Reise an die Türkische Riviera für 20 Personen. Ich kenne aber keine 19 Leute, die sich dort mit mir zum Kauf überteuerter Teppiche nötigen lassen wollen.

Viertens, und das stört mich am meisten, will sich jemand über mich lustig machen mit dem Namen «Hanussen». Erik Jan Hanussen wurde 1889 als Hermann Chajm Steinschneider in Wien geboren, trat als Hellseher, Kunstreiter und falscher Bariton auf und betrieb das «erste elektrische Kettenkarussell», das in Wahrheit von Kindern bewegt wurde. Er schulte das österreichische Militär im Wünschelrutengehen und entlarvte sich später selbst als Hochstapler. Was ihn aber nicht hinderte, als solcher weiterzumachen. 1931 wurde er wegen Betrugs angeklagt – und freigesprochen nach dem Motto: Wer auf so jemanden hereinfällt, ist selber schuld. Seine Geschichte wurde mehrfach verfilmt. Wer sich heute als «Hanussen» vorstellt, sagt mir damit: «Du bist so blöd, dass du nicht mal weisst, was das für einer war.»

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Zur Zeit des Original-Hanussen galt die gerechte moralische Empörung noch als zuverlässiger Reflex, der nun jedoch etwas aus der Mode ist. Hier darf er wieder zum Zug kommen: Es gäbe doch genug andere Berufe, wo man ab und zu Spass hat, aber nein, man muss Hochstapler werden! Will unbedingt die Gier und Dummheit der Leute zu Geld machen! Dann aber sollte man seiner Klientel einen gewissen Respekt erweisen und sich nicht «Hanussen» nennen, sondern sich um eine Fassade der Ehrbarkeit bemühen. Banken und Versicherungen beherzigen das ja auch. Wem das zu anstrengend ist, meine Herrschaften in Wien, der muss halt Lotto spielen!