Für ein Experiment hatten die Forscher genveränderten Mäusen Löcher in die Ohren gestanzt, um sie später wiederzuerkennen. Nach ein paar Wochen waren die Ohren aber verheilt, ohne Narben zu hinterlassen – das ganze Experiment war für die Katz.

Doch die Biologin merkte schnell: Die Wund(er)heilung hing mit dem Gen p21 zusammen, das sie bei ihren Gentech-Mäusen ausser Betrieb gesetzt hatte. Jenes Gen, das unkontrolliertes Zellwachstum verhindert. Noch besser ausgebildet fand die Biologin das p21-Phänomen beim Axolotl: Wird dem mexikanischen Lurch ein Bein abgebissen, wächst innert kürzester Zeit ein neues nach. Verletzt sich das Tierchen am Auge, bilden sich Linse und Netzhaut neu.

p21, das ist der Schlüssel zur nächsten medizinischen Revolution. Wenn abgetrennte Glieder perfekt nachwachsen, ist alles möglich – vor allem für die Wiederherstellungschirurgie. Man stelle sich nur vor: Reisst Lionel Messis Achillessehne vor der Fussball-WM, kein Problem: Bein ab, p21-Gen blockieren, schon gibts ein neues Messi-Bein. Leidet Roger Federer an einem Tennisarm: Arm ab, p21 ausschalten, etwas Training – schon schlägt der beste Tennisspieler der Welt wieder beschwerdefrei auf. Hat Tiger Woods Probleme mit… – nein, das wollen wir uns lieber nicht vorstellen.

Als wären Finger Zehennägel

Bis die Eigenschaft von p21 für den Menschen genutzt wird, dürften zwar noch ein paar Jährchen verstreichen. Doch unter arabischen Dieben sollen bereits erste Anzeichen von Euphorie auszumachen sein. Die Hand-ab-Scharia wäre ihrer härtesten Waffe beschnitten. Auch bei der japanischen Yakuza keimt Hoffnung: Macht einer der Tokioter Mafiosi einen Fehler, kann er sich als Zeichen seiner Schmach künftig seine Finger stutzen, als wären es Zehennägel. Sie wachsen ja nach.

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Auch in der Schweiz hoffen die Langfinger auf den Private-Banking-Abteilungen auf p21. Werden sie alsbald auf einer Reise in den arabischen Raum erwischt, müssten sie höchstens noch mit dem temporären Verlust ihrer Hand(lungsfreiheit) rechnen.Damit nicht genug. Kürzlich hat ein Forscherteam in Innsbruck das Genom der Hydra entschlüsselt. Der nur wenige Zentimeter grosse Süsswasserpolyp kann sich innerhalb von fünf Tagen vollständig erneuern. Tentakel ab: nur ein Koordinationsproblem auf Zeit. Kopf ab: Ein neuer wächst nach – nicht zwei, wie die griechische Mythologie fälschlicherweise glauben machte. Offensichtlich hat die Hydra den alten Griechen dermassen den Kopf verdreht, dass ihnen Zahlen und Grössenverhältnisse durcheinandergerieten.

Obwohl die praktische Anwendung am Menschen utopisch scheint, befürchten US-Kriminologen bereits einen dramatischen Anstieg von Morden. Verbrecher könnten wegen p21 auf den Gedanken kommen, sich mittels Mord langjährigen Gefängnisstrafen zu entziehen – nach dem Motto: Lieber einmal unters Fallbeil als für Jahre hinter Gitter. Das Hydra-Gen wirds schon richten. Denn ein Todesurteil wird immer nur einmal vollzogen. Überlebt der Delinquent, ist er ein freier Mann.

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Deshalb könnten sich die USA genötigt sehen, verfassungsmässig dem Beispiel der Schweiz zu folgen und die Todesstrafe abzuschaffen. So hätte die Axolotl-Revo-lution doch noch ihr Gutes.