Und ich habe auch tatsächlich mal etwas erfunden. Die Idee war bestechend: Zwei Bürogeräte sollten vereint werden – um in engen Büros wertvollen Platz zu gewinnen. Nach einiger Evaluation entschied ich mich, Fax und Aktenvernichter ineinander überzuführen. Naheliegend, da bei beiden Papier in einen Schlitz geschoben werden muss. Da kommt einzig ein Schalter dazu, mit dem man zwischen Fax- und Schredderfunktion wählen kann. Doch genau da lag auch der Haken an der ganzen Sache: Mein Prototyp scheiterte am Faktor Mensch, und selten gingen in einem Büro mehr Dokumente unwiederbringlich verloren als in jener Zeit, da ich meinen FaxoshredTM zu etablieren versuchte.

Meine Karriere als Erfinder war damit beendet. Ich musste mich nach Neuem umsehen. Bald war eine Alternative gefunden: Ich würde mich als Unterhosenverkäufer betätigen. Auf die entsprechende Idee brachte mich ein älterer Herr, der sich eines Nachmittags in einem Restaurant zu mir setzte und mich fragte, ob ich ihm meine Unterhose verkaufen würde. Als ich etwas verdutzt reagierte, erklärte er sich genauer: Er sammle eben Unterhosen von jungen Männern. Ich solle doch einfach kurz auf die Toilette gehen, das gute Stück ausziehen und ihm mitbringen. Er zahle mir auch 20 Franken dafür. Ich ging dann nicht auf den Deal ein – und bereue das bis heute: Es sind genau jene 20 Franken, die mir seither regelmässig im Portemonnaie fehlen.

Aber das mit dem Unterhosenverkaufen schminkte ich mir dann auch bald ab. Die Nachfrage war einfach zu gering, wie ich feststellen musste. Fast der gesamte Erlös ging für Annoncen drauf – im Stil von «Selbstins. verk. gebr. U-Wäsche. Diskr. garant.».

Warum nicht Telefonbeantworter werden?

Doch das feuchtwarme Milieu der Kleinanzeigen brachte andere Ideen zum Keimen: Lange Zeit führte ich erfolgreich einen Telefon-Sadomaso-Dienst. Aber nicht so, wie Sie denken. Sondern seriös. Meine Kunden hatten die Wahl zwischen zwei Angeboten: «Geht es Ihnen zu gut? Rufen Sie mich an. Ich mache Sie verbal zur Schnecke.» Oder aber: «Geht es Ihnen nicht gut? Rufen Sie mich an. Und machen Sie mich so richtig fertig.» Dieses wertvolle Angebot wurde eifrig genutzt – bis diese unseligen «MusicStar»- und «Superstar»-Fernsehformate aus dem Boden schossen wie die Minarette auf gewissen Plakaten und mir sowohl meine sadistisch als auch meine masochistisch veranlagte Kundschaft abspenstig machten. Selbst Dieter B. aus Deutschland, bis dahin einer meiner treusten Stammkunden, meldete sich plötzlich nicht mehr.

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Somit war ich also auch als Telefonbeantworter gescheitert. Doch unverzagt wandte ich mich neuen Berufsfeldern zu: Lange half ich in einem Malergeschäft als Nitroverdünner aus, betätigte mich nebenbei als Lockenwickler in einem Coiffeursalon, während ich Nachtschichten als Zitronenfalter in einem Früchtegrosshandel schob. Im Herbst kamen jeweils Engagements als Laubbläser und Rechenschieber hinzu. Bis ich dann schliesslich zu jenem Job fand, den ich noch heute ausübe: Zeilenschinder.