Ziemlich affig, dieses Getue. Es fängt auf dem Fussballplatz an: auf den Boden spucken, sich der Länge nach hinwerfen, sich das Shirt vom Leib reissen, sich auf die Brust trommeln, sich zwischen die Beine fassen und nach einem Sieg als wild gewordenes Kollektivknäuel zu Boden gehen.

Weiter geht es auf der Strasse: Dem Typen im grossen Auto sind Anstand und Regeln schnuppe, für ihn gilt das Recht des Stärkeren. Parieren die anderen nicht, wird er laut. Er ist mit jedem per Du. Alle anderen: sowieso blöde Affen.

Damit hat er nicht einmal so unrecht: Die deutsche Ausgabe von «National Geographic» zitiert aus dem Buch «Menschenaffen wie wir» von Volker Sommer, Professor für Evolutionäre Anthropologie in London, dass die Gene eines Menschenaffen und eines Menschenmannes zu 98,5 Prozent übereinstimmen. Damit ist auch ein für alle Mal klar: Männer sind keine Schweine. Männer sind Affen.

Der Unterschied im Erbgut zwischen Menschenmännchen und -weibchen hingegen kann zwei bis vier Prozent betragen. Anders gesagt: Die meisten Menschenmänner sind Schimpansen ähnlicher als den Menschenfrauen, mit denen sie allenfalls verheiratet sind. Männer, die beklagen, dass ihre Frauen nicht mit ihnen Sportschau gucken, sollten sich also einen Gorilla zulegen. Der würde auch mit ins Krafttraining kommen und sein Herrchen übers Wochenende auf den Hockenheimring begleiten.

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Adam und Eva im Reich der Affen

Offenbar findet die junge Generation die Affenähnlichkeit zumindest äusserlich störender als meine mittelalterliche. Wer heute in der Badi U30 ist und Brusthaar trägt, wird schräg angeschaut. David Beckham muss von der genetischen Ähnlichkeit gewusst haben, sonst hätte er kaum diesen seltsamen Metrosexuellen-Trend lanciert, samt babyglatt rasierter Brust und dem Bekenntnis, Kunstgalerien lieber zu mögen als Eishockeymatches. Was ihn nicht davor bewahrt, sich den Fotografen in völlig affigen Posen zu präsentieren.

Dass wir Frauen nicht so primatig oder eben primitiv sind, sollte uns nicht dazu verleiten, unseren Abstand vom Reich der Tiere zu überschätzen. Nicht umsonst heisst es «Zickenkrieg». Anschauliche Beispiele gibt es auch hier genug: Was Madonna und Lady Gaga im Moment an Konkurrenzgerangel und weibischer Eifersüchtelei aufführen, geht auf keine Kuhhaut. Ich bin besser! Ich bin schöner! Ich bin fitter! Ich kleide mich verrückter! Oje. Vielleicht ähneln die Gene von Menschenweibchen ja auf erschreckende Weise denjenigen von Ziegen.

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Was Affen und Äffinnen wohl zu all dem denken? Gefragt hat man sie meines Wissens bisher nicht. Obwohl sie haariger sind als durchschnittliche Menschen, haben sie uns doch einiges voraus: Sie verbreiten keinen Bockmist via Twitter, kommen nicht auf die Idee, nächtens die SMS ihres Partners zu lesen, und streiten sich nicht jahrelang mit Anwälten ums Sorgerecht für Kinder, um die sie sich nachher doch nicht kümmern. Sie kommen auch nicht auf die Idee, Studien über ihre Ähnlichkeit zum Menschen durch­zuführen. Vielleicht ist das besser so, denn womöglich käme zum Vorschein, dass die mickrigen anderthalb Prozent genetischer Unterschied den Affen zum besseren Menschen machen.