Das geht jeweils so. Er simst: «Mir geht Dienstag, falls B absagt, eventuell Donnerstag, das weiss ich aber erst am Mittwoch.»

Ich denke: Der hat doch einen in der Palme. Springt der auch mit seinem Arzt so um? Kommt ihm mit dieser Mir-geht-der-Dienstag-falls-B-absagt-eventuell-Donnerstag-das-weiss-ich-aber-erst-am-Mittwoch-Masche? Natürlich nicht.

Seit Mister Sponti seine Termine nur noch per SMS organisiert, dauert das Abmachen viel länger als früher mit Telefon, weil er mindestens vier SMS und zusätzlich sieben E-Mails dazu benötigt.

Mister Sponti ist ein Fischer. Er wirft seine Netze aus und schaut, was hängen bleibt. Weil er nichts verpassen will, möchte er sich immer alle Möglichkeiten offenhalten und muss deshalb möglichst offen kommunizieren. Also unverbindlich. Um im letzten Moment das heisseste Angebot auszuwählen. Was wir überhaupt unternehmen wollen – so weit kommen Mister Sponti und ich, vor lauter Aushandeln, gar nicht mehr.

Handy und E-Mail machen aus den Leuten Planungszombies. Da entsteht eine Generation von Leuten, die völlig unfähig ist für den scharfen Schnitt. Für das fixe ehrliche Date. Verbindlichkeit wird etwas für alte Knacker.

Und sie schwindet auf allen Ebenen.

Ganze Freizeit geht fürs Abwägen drauf

Schon das Jawort vor dem Traualtar birgt den Keim des Unverbindlichen in sich. Jeder weiss, dass die Chancen bestenfalls fifty-fifty stehen, seine Hochzeitsgondel erfolgreich durch die windstillen Rossbreiten der Ehe zu steuern. Auch die Zeitung hat man nicht mehr fürs ganze Leben wie noch im analogen Zeitalter. Selbst die Partei wechseln wir heute wie eine Krankenkasse. Nicht einmal vor der Autoindustrie macht die neue Unverbindlichkeit halt: Mein Vater kaufte einen Ford nach dem andern, Onkel Traugott einen Opel nach dem andern. Nie eine andere Marke. Das wäre ihnen gar nicht in den Sinn gekommen. Das hatte den unbestreitbaren Vorteil, dass sie sich nie über günstigere Konkurrenzprodukte den Kopf zerbrechen mussten. Heute sind solch treue, in gewissem Sinne ignorante Kunden absolut undenkbar.

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Sogar die sexuelle Ausrichtung legen Menschen heute ab wie ein Kleid. Neulich erzählte mir ein 50-jähriger Mann, seine Frau, genauer Exfrau, habe ihm zwei Kinder geschenkt und ihm dann eröffnet, sie sei nun lesbisch. Und ihn verlassen, um mit einer Frau zu leben.

Wir bezahlen einen Preis für dieses andauernde Abwägen und dieses Sich-neu-Orientieren. Mister Sponti ist immerzu am Verhandeln, Ausloten von noch besseren Angeboten, Checken von Alternativen. Er verwendet seine ganze Freizeit dafür. Und das nicht nur, wenn es ums Abmachen geht.

Neulich hatte er Urlaub. Er investierte seine erste Ferienwoche für das Einholen neuer Versicherungsofferten, das Wechseln zur günstigsten Krankenkasse und den Kauf eines Occasionsautos mit dem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis. Das allein kostete ihn schon fast vier Tage. Die halbe zweite Ferienwoche brachte er damit zu, das Schnäppchen für seine Tauchferien zu finden. Und in einer Pause schickte er mir eine SMS mit folgendem Inhalt: Du, bin im Stress, muss leider unsere Verabredung heut Abend absagen. Angehängt ein unverbindliches Smiley.

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