Gute Schuhe sind teuer», sagt Jette Süss. Die kaufmännische Angestellte besitzt 40 Paar, alle in Schachteln gestapelt. Die lieb gewonnenen Modelle pflegt sie mit Hingabe, was durchaus eine Viertelstunde pro Paar dauern kann.

Gerade in der kälteren Jahreshälfte empfiehlt es sich, Schuhe aus Leder zu tragen. Leder hat ideale Eigenschaften: Es ist atmungsaktiv, feuchtigkeitsspeichernd und reissfest. Ausserdem passt es sich der Fussform an und ist pflegeleichter, als gemeinhin angenommen wird: «Jegliches Leder kann mit lauwarmem Seifenwasser gereinigt werden», meint Hans Bachmann, der selber Lederartikel produziert. Lassen sich hartnäckige Flecken wie Salzränder nicht entfernen, verwendet man Rein- oder Wundbenzin. «Damit macht man nichts kaputt», weist er ein gängiges Vorurteil zurück. Wichtig sei, die Flecken nur abzutupfen, nicht zu reiben. Ausserdem muss man das Leder immer gut trocknen lassen.

Auch Pfeifenerde hilft gegen Flecken
Die Lederpflege unterscheidet sich je nach Sorte: Bei der Schuhherstellung wird meist gedecktes Leder verwendet. Man erkennt es an der Oberfläche, die sich farblich vom Rest des Materials unterscheidet. Gedecktes Leder wird mit gängigen Hartwachscremen oder Pasten gepflegt, die dünn aufgetragen werden. Nicht geeignet sind selbstglänzende Mittel. Sie enthalten zu viel Silikon, das die Lederporen schliesst. «Auch Mittel auf Fettbasis sollte man meiden», meint der Schuhmacher Erich Reh. «Ist Entsprechendes auf der Verpackung vermerkt, eignet sich das Produkt höchstens für speziell gekennzeichnete Wander- und Sportschuhe.» Nach einer Trocknungszeit poliert man den Schuh mit einem Wolltuch oder einer weichen Bürste, zum Beispiel aus Pferdehaar.

Auch das empfindlichere, teurere Anilinleder lässt sich so pflegen. Es ist – wenn überhaupt – ganz durchgefärbt und nur mit einer dünnen, beinahe durchsichtigen Schutzschicht (Appretur) versehen. Beim Veloursleder, das fälschlicherweise auch Wildleder genannt wird, obwohl es nicht von Wildtieren stammt, verwendet man gar keine Creme. Flecken entfernt man mit Wasserdampf, schwarze Striche vom Gaspedal oder Ähnlichem mit einem Radiergummi. In beiden Fällen werden die Fasern anschliessend mit einer speziellen Gummibürste wieder aufgerichtet.

Wegen der geschlossenen Oberfläche muss einzig Lackleder vor dem Tragen nicht imprägniert werden. «Es kann mit Fensterputzmittel geglänzt werden», sagt Reh, «man sollte es allerdings nicht zu lange einwirken lassen.»

Ein letzter Tipp: Pfeifenerde, in Drogerien zu kaufen. Die hilft gegen Flecken, wenn man daraus einen Brei mischt, ihn auf der verschmutzten Stelle austrocknen lässt und dann wegbürstet. «Das funktioniert sogar bei Veloursleder», sagt Erich Reh. «90 Prozent der Flecken kann man entfernen, wenn man nur will.»

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