Das dunkelblaue Seidengilet war eines der Lieblingsstücke von Barbara Bachem. Doch an den Armen war es so eng geschnitten, dass sich rasch Schweissränder bildeten. Und da es nicht waschbar war, musste die Krankenschwester jedes Mal in die chemische Reinigung damit – was ihr «schlicht zu teuer wurde». Ihr Fazit: «Nicht sommertauglich.»

Weniger und besser geeignete Stoffe
Seither achtet Barbara Bachem beim Kleiderkauf für die warme Jahreszeit viel mehr auf Material, Farbe, Schnitt und Pflegeanleitung. Mit gutem Grund: «Tatsächlich fühlt man sich nicht in jedem Stoff und mit jeder Farbe gleich gut», erklärt Markus Weder, Bekleidungsphysiologe an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in St. Gallen. Dunkle Farben zum Beispiel absorbieren mehr Sonnenlicht als helle.

Gleichwohl gibt es keinen «richtigen» oder «falschen» Sommerstoff, nur besser oder weniger geeigneten. Die Wahl hängt von zahlreichen Kriterien ab: Welche Tätigkeit übt man aus? Möchte man die Kleider waschen können? Dürfen sie knittern? Legt man Wert auf natürliche Fasern? Trägt man die Kleider auch abends, wenn es abkühlt? Umso hilfreicher ist es, die Eigenschaften der einzelnen Gewebe zu kennen.

Doch nicht allein die Farbe und das Material bestimmen das sommerliche Wohlbefinden. Auch der Schnitt spielt eine wichtige Rolle. «Bei weit geschnittenen Kleidern befindet sich zwischen der Haut und dem Stoff eine Luftschicht, die wärmt», erklärt Markus Weder. Aus diesem Grund würden eng anliegende Kleider kühler halten als weit geschnittene – ein Pluspunkt für die figurbetonte Sommermode 2004.

Ebenso wichtig ist die Frage, wie rasch und stark man ins Schwitzen kommt. Zwar ist Schwitzen nötig, um den Körper vor Überhitzung zu schützen. Doch wer stark schwitzt, fühlt sich meist unwohl, weil schweissgetränkte Kleider am Körper kleben. Für solche Personen empfiehlt Empa-Experte Markus Weder Kunstfasern wie Polyester, die den Schweiss schnell verdunsten lassen, statt ihn aufzusaugen: «So bleiben sie trocken und kühlen gut.» Deshalb seien die meisten Sporttextilien aus synthetischen Fasern.

Bürobekleidung aus Baumwolle
Doch solche Kunstfasern haben einen grossen Nachteil: Sie binden den Schweissgeruch sehr gut und müssen darum öfters gewaschen werden. Hauswirtschaftslehrerin Margrit Rubin kennt das Problem zur Genüge: «Textilien aus Polyester lassen sich in der Regel nur bis 40 Grad Celsius waschen – das reicht aber nicht, um den Geruch zu entfernen.» Deshalb werden viele Stoffe chemisch behandelt oder mit Silberfäden durchzogen, um die Geruchsbildung zu minimieren. Die Wirksamkeit konnte aber «bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden», so Markus Weder.

Anerkannt wirksam dagegen sind höhere Waschtemperaturen: «Wird reine Baumwolle bei 60 Grad Celsius gewaschen, bleibt kein Schweissgeruch zurück», erklärt Margrit Rubin. Die ideale Bürokleidung ist deshalb aus Baumwolle: leicht, gut waschbar und geruchlos. Für den Sport aber sind solche Kleider ungeeignet. Die Naturfasern werden zu schnell nass, trocknen langsam und führen beim kleinsten Windzug zu Unterkühlung.

Kleidung mit UV-Schutz kaufen
Da die Zahl der Hautkrebserkrankungen stetig zunimmt, sollte auch der UV-Schutz bei der Kleiderwahl ein Thema sein. Am besten schützen dunkle, dicht gewobene Kleidungsstücke aus Polyester, gefolgt von Wolle, Seide und Nylon. Baumwolle, Leinen und Viskose dagegen schützen nur mässig. Wichtig: Trockenes Gewebe schützt besser vor UV-Strahlen als nasses. Seit einiger Zeit sind auch spezielle Schutzkleider erhältlich. Sie sind, ähnlich wie Sonnencremen, mit einem Schutzfaktor (UVP) gekennzeichnet. Damit lässt sich errechnen, wie lange man an der Sonne bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren (siehe Artikel zum Thema «Hauttypen: Sonnenschutz wie auf den Leib geschrieben»). Sonnenhüte, T-Shirts, kurze Hosen oder Badesachen, die mit einem speziellen UV-Schutz angeboten werden, sind meist auch dichter gewoben.

Nicht sehr dicht, aber sehr trendig ist diesen Sommer Selbstgestricktes aus Mischfasern. Für Hauswirtschaftslehrerin Margrit Rubin liegen die Vorzüge auf der Hand: «Hier braucht es keine Kompromisse: Material, Farbe und Schnitt lassen sich optimal kombinieren.»

Weitere Infos

Baumwolle und andere natürliche Fasern werden schon beim Anbau mit Stoffen behandelt, die Umwelt und Gesundheit belasten können. Auch bei der Weiterverarbeitung, beim Einfärben und Ausrüsten werden giftige Chemikalien eingesetzt. Es lohnt sich, beim Kleiderkauf genau hinzuschauen. Es gibt eine Vielzahl von Labels für umwelt- und sozialverträglich hergestellte Kleider, zudem spezialisierte Unternehmen und Produktelinien von sozialen Institutionen.