Die gute Nachricht: SOS Gerasjuta, lange in der Kritik wegen Intransparenz und wegen aggres­siver Sam­mel­methoden mit handgeschriebenen Bettelbriefen (rechts), stellt seit neustem die Bilanzen ins Internet. Die schlechte Nachricht: Sie zeigen, dass das Hilfswerk fast die Hälfte der Spenden für das Sammeln an sich und für die Administration verwendet.

«Der Aufwand ist zu hoch»

2014 gaben Schweizer etwas mehr als eine Million Franken an SOS Gerasjuta. Nur 373'000 Franken wurden effektiv an Bedürftige in der Ukraine ausgezahlt; sie sind alle im Jahresbericht mit Namen und Beträgen aufgelistet. Rund 200'000 Franken kosteten allein das Frankieren der Briefe sowie der Kauf von Adressen möglicher Spender. 2013 wurde über ein Drittel der Spenden von den Sammelkosten aufgefressen – ein rekordhoher Wert. So gehen rund 40 Prozent der Einnahmen für Mittelbeschaffung und Administration drauf. «Das ist zu viel», sagt Martina Ziegerer, Leiterin der Stiftung Zewo, die vertrauenswürdigen Hilfswerken ein Gütesiegel verleiht. SOS Gerasjuta erfüllt die Zewo-Kriterien nicht. Bei den Zewo-Hilfswerken ist der Aufwand halb so hoch, zudem ­seien die 40 Prozent «eher unterschätzt», so Ziegerer, denn die Kosten für das Schreiben der Bettelbriefe von Hand tauchen in der Rechnung nicht auf.

Die Schreiber seien Studenten, Rentner und alleinstehende Mütter in der Ukraine, die «von der Hand in den Mund leben», sagt SOS-Gerasjuta-Gründer Ser­gej Gerasjuta, ihr Lohn werde als ausgezahlte Hilfsgelder verbucht. Er «zerbreche sich den Kopf», sagt Gerasjuta, wie er die Kosten senken könne, aber bei einem kleinen Hilfswerk seien die Möglichkeiten begrenzt. Es sei «leider Gottes kaum möglich, den administrativen Aufwand noch mehr zu senken».

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