Hurra! Es ist so weit: Die lang ersehnten Fahrzeuge stehen bereit und werden der Stiftung von der Firma Radibus übergeben.» Dies schrieb die Stiftung für Ganzheitliche Betreuung in Rüti ZH im August. Die gemeinnützige Institution betreut Menschen mit psychischen und anderen Behinderungen.

Doch ein paar Tage später folgte das Dementi: «Der Anlass wird aufgrund von Lieferschwierigkeiten verschoben.» Zwei Tage vor der geplanten Übergabe liess der Fahrzeuglieferant, die Firma Radibus GmbH in Mörschwil SG, den Termin platzen angeblich wegen der Ferienpause des Lieferanten.

Es war bereits die dritte Verschiebung, jedes Mal mit einer anderen Begründung. Entsprechend verärgert war Ruedi Baumann: Der Geschäftsleiter der Stiftung schrieb Radibus einen bösen Brief.

Aggressiver Verkauf ärgert Kunden

Dabei begann alles viel versprechend. Im Frühling 1999 sprach Radibus bei Baumann vor und offerierte ihm zwei Gratisautobusse für drei Jahre. Radibus übernehme sämtliche Unterhaltskosten. Möglich sei dies dank Sponsoren, die ihre Werbung auf den Bussen anbringen können. Für Ruedi Baumann ein willkommenes Geschenk. Transportfahrzeuge kann ein Heim immer brauchen.

Doch kurz nach der Vertragsunterzeichnung begann der Ärger. Empörte Gewerbetreibende aus der Region beschwerten sich bei Baumann über die aggressiven Verkaufsmethoden. Die Radibus-Verkäufer hätten sich verhalten, als seien sie Angestellte der Stiftung. Radibus stellt dies in Abrede. «Wir traten nie im Namen der Stiftung auf», sagt Radibus-Mitinhaber Sacha Borer. Die Verkaufsmethoden seiner Vertreter seien korrekt.

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Das sehen viele Sponsoren anders. Auch von falschen Versprechungen ist die Rede und von schnellem Inkasso. Zuverlässiger als mit dem Ausliefern der Fahrzeuge ist Radibus nämlich bei der Rechnungsstellung und beim Mahnen. Obwohl in Rüti bis heute kein Bus in Sicht ist, haben die 87 Sponsoren bereits 1999 die erste Rechnung erhalten. Wer nicht gleich bezahlte, bekam vierzig Tage später die erste Zahlungsaufforderung inklusive Mahngebühren und Betreibungsandrohung. Dabei hatte Radibus der Stiftung versichert: «Mit einer grossen Anzahl von Kunden haben wir vereinbart, dass diese die Rechnung erst bei Busübergabe bezahlen werden.»

Gegenüber dem Beobachter tönt das ganz anders. «Die Sponsoren haben 1999 eine Rechnung erhalten», sagt Radibus-Chef Sacha Borer. Dies stehe auch so in den Verträgen. Überhaupt versteht er die Aufregung nicht: «Da stellen wir einem Heim Busse gratis zur Verfügung, doch statt mit uns zu reden, geht es an die Presse nur wegen einer verspäteten Lieferung.»

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Das Warten geht weiter

Neben der Stiftung für Ganzheitliche Betreuung warten gemäss Borer noch drei andere Institutionen auf ihre Busse. Radibus befinde sich in einer Konsolidierungsphase, weil die Firma zu schnell von sechs auf dreissig Mitarbeiter gewachsen sei. Er weist auch darauf hin, dass schon über zwanzig Institutionen einen Gratisbus erhalten hätten. Borer: «Auch Ruedi Baumann erhält seinen Bus.» Fragt sich nur, wann. Denn auch den vierten Termin Ende September liess Radibus platzen. Versprochen ist die Lieferung nun auf Ende November. Wir sind gespannt.