«Sie lag hilflos am Boden. Ich sah den Kerl nur noch wegrennen.» Dem Prospekt mangelt es nicht an Eindringlichkeit. Detailliert wird geschildert, wie eine alte Frau beraubt wird: Hugo Schmidt, Präsident der Stiftung «Hilfe für betagte Menschen», sammelt mit persönlich adressierten Schreiben Geld «für Härtefälle». Der Stiftungszweck laut Handelsregister: gefährdeten, in Not geratenen betagten Menschen helfen und Krisen bewältigen.

Hugo Schmidt aus Luzern ist ein vielbeschäftigter Mann. Der Kommunikationsfachmann präsidiert ebenfalls die Stiftung zur Erhaltung schweizerischen Kulturgutes, die Schweizerische Stiftung für Kinder und Jugendliche, die Stiftung Hilfe für junge Schweizer Familien. Ebenso ist er in der Geschäftsführung des Vereins Soforthilfe für in Not geratene Schweizer. Den Stiftungen gemeinsam sind Sekretärin, Adresse, Telefonanschluss und einige handverlesene Stiftungsräte.

Im Fall der «Hilfe für betagte Menschen» sind zwei der insgesamt drei Stiftungsratsmitglieder miteinander verheiratet. «Eine wirksame Kontrolle ist hier nicht gewährleistet», sagt Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Zewo, der Fachstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen. «Die internen Aufsichtsmöglichkeiten müssen hier als ungenügend bezeichnet werden.» Die Zewo bat um die Geschäftsbilanzen von Schmidts Stiftungen – erfolglos.

Über Umwege gelangten die Bilanzen zum Beobachter. Sie sind in der Tat nicht sehr vertrauenerweckend. Im Vergleich zu den Verwendungen gemäss Stiftungszweck nehmen sich die Kosten der Infrastruktur ausnehmend hoch aus. In den Rechnungsjahren 2002 und 2003 betrug das Netto-Sammelergebnis der Betagtenstiftung 139'694 Franken; nur 38'310 Franken, also knapp 27 Prozent, kamen dem Stiftungszweck zu. Was dies im Detail heisst, ist nicht zu erfahren.

Die Kriterien für die Geldausschüttung bleiben das Geheimnis des Geschäftsführers Rudolf Weibel, ebenso Angaben zu deren Höhe im Einzelnen. Auch der Bruttoertrag bleibt im Dunkeln. Martina Ziegerer kritisiert die fehlende Transparenz scharf: «Da der Sammelerfolg bloss netto vorliegt, bleibt unklar, wie hoch die Aufwendungen für die Sammelaktivitäten sind. Das Verhältnis von Aufwand und Ausrichtungen ist klar unverhältnismässig.»

Selbst die Netto-Grössenverhältnisse sind erstaunlich. Satte 56 Prozent des Nettoergebnisses der Stiftung «Hilfe für betagte Menschen» verschwinden im Finanz- und Verwaltungsaufwand. Bei der Stiftung zur Erhaltung schweizerischen Kulturgutes sieht es nicht viel besser aus. 2002 und 2003 waren die Büro- und Verwaltungskosten fast gleich hoch wie der Netto-Sammelerfolg; Aufwendungen für Stiftungszwecke waren nur dank einem Überschuss aus den Vorjahren möglich.

«Wie bei allen jüngeren Stiftungen verschlingt auch bei uns die Aufbauarbeit recht viel Geld», sagt Rudolf Weibel, Geschäftsführer mehrerer Schmidt-Stiftungen. Die «Hilfe für betagte Menschen» wurde 1999 gegründet. Im dritten Jahr machen allein die Sekretariatskosten immer noch fast das Doppelte der Aufwendungen für den Stiftungszweck aus. Bei der Stiftung zur Erhaltung schweizerischen Kulturgutes sieht es nicht anders aus.

Die Sammler erklären auf den Prospekten, Mitglied bei «proFonds», dem Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz, zu sein – eine Verbindung, die ihre Mitglieder keiner Prüfung unterzieht und keinerlei Zertifizierung ausstellt. Und ihre Mitglieder deshalb ausdrücklich bittet, die Mitgliedschaft nicht als Qualitätssiegel aufzuführen.

Hugo Schmidt ist Geschäftsführer des Verbands der Tankstellenshop-Betreiber und Ehrenmitglied im Schweizerischen Verband für interne Kommunikation (SVIK). Er war auch schon Kommunikationsverantwortlicher für den FC Luzern und sass im Grossen Rat des Kantons Luzern und des Gemeinderats von Horw. Insider bezeichnen ihn als «manchenorts engagiert, vielerorts präsent», als «jemand, der bestimmt nur Gutes will».

Vielleicht eine Spur des Guten zu viel? Tatsache ist: Das Management der Stiftungen wirkt wenig professionell. Und Hugo Schmidt, dem Kommunikationsfachmann, hats anscheinend die Sprache verschlagen. Zu Fragen des Beobachters will er jedenfalls nicht Stellung nehmen.

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