Wer wie Monica Böni sechs Kinder allein grossgezogen hat, versteht es, sich Gehör zu verschaffen. Also redet die 71-Jährige auch in dieser Sache Klartext: «Da wird den Bürgern ihr Geld gestohlen!» Weil der Stromzähler in Bönis Haus in Männedorf ZH bis vor kurzem nur für die Einfachtarifmessung eingerichtet war, wurde ihr der gesamte Bezug zum Hochtarif (momentan 16,6 Rappen pro Kilowattstunde) verrechnet - vom Niedertarif (6,6 Rappen pro Kilowattstunde) profitierte sie nicht. Eine Faustregel besagt, dass ein Drittel des Strombedarfs im Niedertarif anfällt. Damit hat Böni über Jahre rund 20 Prozent zu viel bezahlt.

Nicht nur sie: Allein in Männedorf trifft dies auf 700 weitere Bezüger zu, wie das lokale Elektrizitätswerk Böni wissen liess - als würde sie dies milder stimmen. Das Gegenteil trifft zu. «Wenn sie die Betroffenen doch kennen, könnten sie sie ja besser informieren», entrüstet sich Böni, deren Gesuch um Rückerstattung von der Gemeinde abgelehnt wurde.

Alfred Wüthrich, Leiter der Abteilung Infrastruktur, wehrt sich gegen den Vorwurf, durch Nichtstun über Gebühr zu kassieren. «Wir haben die Kunden wiederholt, zuletzt 2003, darauf hingewiesen, einen Doppeltarifzähler installieren zu lassen», sagt er. Wer nicht reagiere, verzichte offenbar auf die rund 250 Franken teure Umrüstung. Böni, die Stein und Bein schwört, nie ein solches Schreiben erhalten zu haben, hätte sich eine aktivere Aufklärung gewünscht - etwa durch die Stromableser, die ohnehin in jedes Haus kommen. Wüthrich winkt ab: «Das sind meist Aushilfen, die dafür nicht geeignet sind.»

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