Tippt der Finger schneller, als der Kopf denkt, kann es beim Telefonieren teuer werden. Swisscom-Kundin Sonja Krebs aus Zürich etwa wollte eine Fahrplanauskunft einholen – stattdessen landete sie bei einem englischsprachigen Beratungsdienst mit ähnlich lautender Nummer. Der Vertipper kostete knapp 80 Franken. Mit der heimtückischen Methode, die auf Falschwahlen ausgerichtet ist, machen viele Anbieter fragwürdiger Dienste leicht verdientes Geld. Sonja Krebs hatte Glück. «Da Sie alle Leistungen bei der Swisscom beziehen, haben wir den Betrag ausnahmsweise gutgeschrieben», zeigte sich die Festnetzanbieterin kulant.

Dialer treibens besonders fies
Nicht immer gibt es so viel Entgegenkommen. Dem Beobachter sind nahezu gleich gelagerte Fälle bekannt, die ganz anders beurteilt wurden. So konnte eine andere Swisscom-Kundin erst nach intensivem Telefon- und Briefverkehr glaubhaft machen, dass sie nicht die teure Flirtnummer, sondern den Telefonwecker einstellen wollte.

Noch strenger mit Kunden, die sich vertippt haben, sind Sunrise und Tele 2. Beide Firmen bestehen in jedem Fall auf der Bezahlung der Gebühren. Sunrise stellt sich auf den Standpunkt, dass die Kunden die alleinige Verantwortung für Fehlmanipulationen trügen – schliesslich könne man «keinen Einfluss auf das Wählverhalten der Kunden nehmen», sagt Sunrise-Sprecherin Monika Walser.

Die Swisscom wiederum bleibt hart, wenn eine Erotiknummer bewusst gewählt wurde – auch wenn es sich beim Anrufer um ein Kind handelt. Im Fall eines zwölfjährigen Baselbieters musste der Vater einen Anwalt nehmen, um sich gegen die Rechnung von über 6000 Franken zu wehren; das Honorar betrug fast die Hälfte der bestrittenen Summe. Erst nachdem der Anwalt bei 12 der 28 gewählten Nummern einen Verstoss gegen die Preisanschreibeverordnung nachweisen konnte, lenkte die Swisscom ein und sistierte die Rechnung.

Solange der Dienstbetreiber nicht rechtswidrig handelt, hält die Swisscom grundsätzlich an der Zahlungsaufforderung fest. «Wir nehmen das Inkasso der geschuldeten Beträge als neutrales Hilfsgeschäft vor», so Sprecher Josef Huber. Für den Service kassiert die Swisscom zwölf Prozent der geschuldeten Summe – geht es hingegen darum, Verstösse der Geschäftspartner zu beweisen, liegt der Ball beim Telefonkunden.

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Am schwierigsten haben es Internetkunden, die Einspruch gegen Dialer-Gebühren erheben. In der Regel gehen die Telekomfirmen davon aus, dass Surfer das entsprechende Programm bewusst installiert haben. Oft zu Unrecht: In den dem Beobachter bekannten Fällen nistete sich der Dialer unbemerkt im Hintergrund ein.

Das Vorgehen der Dialer-Betreiber ist raffiniert: Die Programme kündigen sich häufig über ein kleines Fenster an, das unbedarfte Surfer für Werbung halten und sofort schliessen. Mit diesem Mausklick gibt man jedoch sein Einverständnis, dass sich das Programm installieren darf. Oft mit teuren Folgen: Manche Dialer leiten den Surfer unbemerkt auf teure Servicenummern, wodurch sich rasch Telefonkosten von mehreren hundert bis zehntausend Franken anhäufen können.

Juristisch wirds heikel
Mit dieser Masche werden Tausende von Internetnutzern geschädigt. Doch solange überlistete Kunden dem Dialer-Betreiber kein unlauteres Verhalten nachweisen können, halten die Telekomfirmen am Inkasso fest und drohen zahlungsunwilligen Surfern sogar mit Betreibung und Sperren des Anschlusses. Mit dieser Geschäftsphilosophie bewegen sich die Firmen allerdings auf unsicherem Boden. Vor einem Jahr fällte das Amtsgericht im deutschen Freiburg ein wegweisendes Urteil: Wenn sich ein Dialer-Programm ungefragt als Standardverbindung installiert, muss der Kunde die Rechnung nicht bezahlen.

In der Schweiz ist es bisher noch zu keinem Gerichtsfall gekommen. Während Sunrise weiterhin die Verantwortung auf die Kunden abschiebt, scheint das Freiburger Urteil bei der Swisscom aber ein Umdenken bewirkt zu haben: Die Fälle, in denen die Swisscom sich mit Bezahlung eines Teils der Forderung begnügt, nehmen zu. Noch vor drei Jahren gab es bei Dialer-Tricks kein Entgegenkommen.

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Doch diese Kulanz ist nach wie vor nicht gratis. Walter Schmid aus Welschenrohr etwa musste hartnäckig verhandeln, bis sich die Swisscom auf einen Kompromiss einliess und auf die Hälfte der Forderung verzichtete. «Ein schaler Nachgeschmack bleibt», sagt Schmid. «Mit dem Bezahlen der halben Summe mache ich ein halbes Schuldeingeständnis.» Ironischerweise war er via die Homepage der Swisscom-Tochter Bluewin in die Falle eines Dialers getappt.