Beachten Sie hierzu auch unseren Preisvergleich Telekom-Anbieter.

Seit dem 1. Januar 1998 sind die Telefongebühren im Sturzflug. Ein halbes Jahr vor der Marktöffnung kostete ein dreiminütiges Gespräch von Zürich nach Genf noch stolze Fr. 3.30 – heute sind es bei der Swisscom noch etwa 80 Rappen.

Doch der Telefonriese hat Konkurrenz bekommen. Mehr als 40 private Telefonfirmen bieten heute ähnliche Leistungen wie die Swisscom an. Und dies fast durchwegs zu tieferen Tarifen, wie der Beobachter-Gebührenvergleich zeigt.

Weil kaum jemand mehr den Uberblick hat über Hoch-, Nieder- und Nachttarife, über Nah- und Fernzonen, über Joker-, Bonus- und Sparprogramme, über purzelnde Preise am Muttertag oder Sonderrabatte für Afghanistan, hat der Beobachter in Zusammenarbeit mit den Berne Byte Bears die Monatsrechnungen von zwei Durchschnittskonsumenten errechnet. Die Berne Byte Bears (BBB) sind eine Gruppe von 17- bis 19-jährigen Berner Internetfreaks, die in ihrer Freizeit eines der besten Computerprogramme für solche Vergleiche erarbeitet haben.

In der Beobachter-Testanlage führt eine «Wenigtelefoniererin» vor allem Gespräche in ihrer eigenen Vorwahlzone und nur ausnahmsweise auf ein Natel oder ins Ausland. Der «Vieltelefonierer» hingegen tauscht mit seinen Bekannten häufig Neuigkeiten aus, bleibt auch mal länger am Draht hängen, ruft den Handwerker aufs Natel an und hat einen regen telefonischen Austausch mit seiner Tochter in den USA. In den Beobachter-Modellfällen nicht berücksichtigt wurden die Tarife fürs Internetsurfen sowie Anrufe vom Mobiltelefon aus.

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Dass sowohl der Vieltelefonierer wie auch die Wenigtelefoniererin mit Interoute am besten abschneiden, mag Zufall sein. Eindeutig sind aber zwei Dinge: In der Spitzengruppe sind die Unterschiede relativ gering, doch die Differenz zum teuersten Anbieter beträgt rund ein Drittel. Auf ein Jahr umgerechnet, spart die Wenigtelefoniererin immerhin 120 Franken und der Vieltelefonierer gar 418 Franken.

Dass die Angebote insgesamt recht nahe beieinander liegen, hat vor allem damit zu tun, dass für den Vergleich vorwiegend Inlandtelefonate berücksichtigt wurden. Wer viel ins Ausland telefoniert, hat ein weit grösseres Sparpotenzial.

Swisscom am teuersten

Eindeutig am schlechtesten abgeschnitten hat der Anbieter mit den meisten Kunden: die Swisscom. Ein Ergebnis, das Pressesprecher Sepp Huber allerdings so nicht stehen lassen will: «Unsere Sparprogramme sind im Vergleich nicht berücksichtigt. Ebensowenig unser Sonderangebot, wonach sonntags schweizweit der Nahverkehrstarif gilt.»

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Zwar treffen beide Einwände zu, doch ändern sie wenig an der Tendenz. Das Sonntagsangebot gilt nämlich nur bis Ende Jahr – und Rabatte auf häufig gewählte Nummern gewährt auch die Konkurrentin Sunrise.

Auch wenn es die Swisscom nicht wahrhaben will: Wer zu den anderen Anbietern wechselt, kann beträchtlich sparen. Weil dies auch eine steigende Zahl von Swisscom-Kundinnen und -Kunden merkt, verliert die Exmonopolistin im Festnetzbereich zunehmend an Boden.

So ging etwa im ersten Halbjahr 1999 die Zahl der von der Swisscom verbuchten Inlandminuten um drei Prozent zurück, im internationalen Verkehr gar um 18,6 Prozent. Weil gleichzeitig die Preise sanken, schrumpften die Umsätze um 8,2 respektive 31,4 Prozent.

Genaue Marktzahlen fehlen

Wie viele Schweizerinnen und Schweizer tatsächlich den Telekomanbieter gewechselt haben, ist schwierig zu sagen. Eine vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) für diesen Sommer angekündigte Statistik verzögert sich um mindestens neun Monate, weil einzelne Telefonfirmen aus Konkurrenzgründen die nötigen Zahlen nicht herausrücken wollen. «Wir haben sie gemahnt, aber wir müssen zuerst noch verschiedene datenschützerische Probleme lösen», sagt Bakom-Pressesprecher Roberto Rivola.

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Einen Anhaltspunkt geben immerhin die so genannten Interkonnektionsgebühren – also die Tarife, die die Swisscom von ihren Konkurrentinnen für die Mitbenützung ihres Netzes im Nahbereich verlangt. Im ersten Halbjahr 1998 waren dies rund neun Millionen Franken, im ersten Halbjahr 1999 bereits 122 Millionen.

Trotz der zum Teil erheblichen Tarifvorteile der neuen Telefonanbieter ist die überwiegende Mehrheit der Kundinnen und Kunden der Swisscom treu geblieben. «Eigentlich erstaunlich, denn mit relativ geringem Aufwand lässt sich viel sparen», kommentiert Michael Friedrich von den Berne Byte Bears.

Wer allerdings das Internet nicht so virtuos beherrscht wie er, sieht sich einer Vielzahl von Anbietern, Tarifen und Ausnahmebestimmungen gegenüber. Hier hilft vor allem das genaue Analysieren der eigenen Swisscom-Rechnung. Telefoniere ich mehr tagsüber oder abends? Mehr lokal, national oder international? Bin ich bequem und will bloss einen einzigen Anbieter – oder bin ich ein Rappenspalter, der stets die günstigste Verbindung sucht? Wer aufgrund dieser Antworten die Prospekte der Anbieter vergleicht, dürfte die für ihn beste Lösung auch ohne Internet finden.

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Auf den Service achten

Zu berücksichtigen gibt es neben den Tarifen natürlich auch den Service: Bietet mir der neue Anbieter Hilfe, wenn ich ein technisches Problem habe? Und mindestens ebenso wichtig: Hat die Firma überhaupt genügend freie Leitungen, um dem Ansturm gewachsen zu sein? Kunden verschiedener Anbieter beschweren sich immer häufiger, sie könnten wegen Netzüberlastung nicht immer dann telefonieren, wenn sie wollen. Erkundigungen bei Bekannten und Verwandten über deren Erfahrungen mit einem bestimmten Anbieter können sich also lohnen.

Simonetta Sommaruga, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), ärgert sich dennoch darüber, dass sich die verschiedenen Tarife so schlecht miteinander vergleichen lassen. SKS-Präsident und SP-Nationalrat Peter Vollmer hat deshalb im Parlament durchgesetzt, dass auch der Telekombereich seit Anfang November der Preisbekanntgabeverordnung unterstellt ist (siehe Artikel in Beobachter 22/99). Sie schreibt vor, dass die Anbieter ihre Tarife «in vergleichbarer Form» gestalten müssen.

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Wettbewerbsklage liegt in der Luft

«Ich bin optimistisch, dass sich die Telekomunternehmen auf eine praktikable Lösung einigen werden – etwa auf eine Angleichung der Zeiten für den Nieder- und den Nachttarif sowie vergleichbare Minutenpreise», sagt Simonetta Sommaruga. Sollte dies nicht funktionieren, erwägt sie allerdings auch Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs.

Fulvio Caccia ist weniger zuversichtlich. Als Präsident der eidgenössischen Kommunikationskommission (KomKom) hat er die Oberaufsicht über den liberalisierten Markt. Die Telefontarife seien allesamt

publiziert, verborgen werde nichts, «aber das bedeutet noch lange nicht, dass ein Vergleich einfach ist». Die Preisbekanntgabeverordnung werde daran kaum viel ändern. Caccia: «Das ist halt die Kehrseite der

Medaille bei der Liberalisierung: Früher, als es nur Swisscom gab, war alles klar – und alles teuer.»

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