Stephan Heinz aus Wettingen AG will unbedingt ans Zürcher Konzert von US-Superstar Norah Jones im Juni. Fünf Minuten nach der offiziellen Eröffnung des Vorverkaufs am 9. Februar steht der 30-Jährige am Ticketcorner-Schalter an der Zürcher Bahnhofstrasse. Nur: Billette gibt es keine mehr, das Konzert ist bereits ausverkauft. «Anscheinend begann der Ticketverkauf im Internet schon zwei Stunden früher. Das war mir nicht bekannt», ärgert sich Heinz.

Ärger mit dem Branchenleader Ticketcorner haben viele: In Internetforen ist von «Abzockerei» die Rede, da der Versand pro Billett bis zu 14 Franken kostet. Dazu müssen die Veranstalter Ticketcorner zehn Prozent des Billettpreises plus eine Grundgebühr von Fr. 1.60 pro Ticket abgeben. Bei einem Billettpreis von 50 Franken gehen bis zu 20 Franken an Ticketcorner.

Marktanteil von 70 bis 80 Prozent


Nun kommt aber Bewegung in den Ticketmarkt. Im Dezember verbot die Wettbewerbskommission (Weko) Ticketcorner, Exklusivverträge mit Veranstaltern abzuschliessen, die diese für eine längere Zeit an ihn binden. Ticketcorner nehme eine «marktbeherrschende Stellung» ein und verunmögliche mit den Exklusivitätsklauseln anderen Firmen den Zugang zum Markt. «Ticketcorner hat in der Schweiz einen Marktanteil von 70 bis 80 Prozent», erklärt Olivier Schaller, Vizedirektor der Weko. Das soll sich ändern.

Ticketcorner, eine 100-prozentige Tochter des Waadtländer Technologiekonzerns Kudelski, vertreibt nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Tickets pro Jahr. Die nächstgrössere Konkurrenz, wie die Zürcher Firma Starticket, verkauft 700000 bis eine Million Billette jährlich, die Basler Tictec AG will dieses Jahr rund eine Million Eintrittskarten umsetzen.

Ticketcorner hat Ende Januar gegen die Verfügung der Weko rekurriert und gewinnt damit Zeit: Während der Bearbeitung des Rekurses wird die Verfügung aufgehoben. Durchschnittlich 316 Tage dauert die Erledigung eines Falls bei der Rekurskommission für Wettbewerbsfragen. Mit einem baldigen Entscheid ist also nicht zu rechnen.

Und genau das stört Frank Schwegler, Geschäftsleiter der Basler Tictec AG: «Ticketcorner spielt auf Zeit. Die hoffen natürlich, dass wir Konkurrenten nicht durchhalten können.» Das werde Ticketcorner aber nicht gelingen: «Wir gehen voll in den Markt und wollen eine führende Rolle übernehmen!» Einige Veranstalter hätten bereits zu ihnen gewechselt, da sie billiger seien.

So kostet etwa ein Viertagepass


für das Berner Gurtenfestival im Juli bei Ticketcorner Fr. 209.10, beim Konkurrenten Starticket hingegen nur 185 Franken. Starticket spart massiv Kosten mit dem E-Ticketing, bei dem das Billett via Internet bestellt und zu Hause ausgedruckt wird.

Umstellung aufs Verursacherprinzip


Peter Hürlimann, Chef von Starticket, weiss von Veranstaltern, die über die «Knebelverträge» und hohen Gebühren von Ticketcorner verärgert sind und reagiert haben. So wickeln seit letztem Jahr die Openairs Gampel, Live at Sunset, Gurten und Frauenfeld neu ihren Ticketvorverkauf über Starticket ab. «Dadurch haben wir 60 Prozent der Ticketingkosten eingespart», sagt Hanswalter Huggler, Veranstalter von Live at Sunset im Zürcher Landesmuseum.

Nun lenkt auch Ticketcorner ein. Ab 1. April wird die Preispolitik angepasst. «Wir stellen die Preisgestaltung aufs Verursacherprinzip um», erklärt Sprecher Alex Beeler. Die Folge: Wer via Internet bestellt, kommt billiger davon. Und auch die Veranstalter müssen künftig nicht mehr in jedem Fall zehn Prozent des Ticketpreises abliefern.

Quelle: MICHELE LIMINA