Man plaudert über die Lieblingsmusik, das ultimative Computergame, über den Stress in der Schule, den Zoff mit den Eltern – und natürlich auch über Liebesglück und -leid. Die Rede ist von den Chatrooms im Internet.

Das Internet ist ein wunderbares Kommunikationsmedium. Und gerade Kinder und Jugendliche benutzen dieses Instrument ganz selbstverständlich, so wie ihre Eltern vielleicht das Telefon. Doch nicht immer, wenn junge Menschen glauben, in einem Chatroom einen interessanten Kameraden oder eine verständnisvolle Freundin im gleichen Alter gewonnen zu haben, ist dem auch wirklich so. Denn im virtuellen Raum bewegen sich mit Vorliebe auch Menschen, die mit kriminellen Absichten falsche Angaben zu ihrer Person machen. «Immer wieder nehmen Pädophile über Chatforen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen auf», sagt die Psychologin Anna Flury Sorgo im Beobacherartikel «Familie: Fremde Wesen im Kinderzimmer» von Udo Theiss.

Sexueller Missbrauch von Kindern
Kinder sind im Internet vor allem zwei Arten von Missbrauch ausgesetzt. Einerseits versuchen Pädophile, sie nach ersten Kontakten im Internet auch persönlich zu treffen, andererseits finde jeder, der will, im World Wide Web eine Fülle an perversen Bildern und Filmen mit nackten Kindern in eindeutig sexuellen Posen oder bei direktem Geschlechtsverkehr. Auffällig ist übrigens, wie viele dieser Mädchen und Buben aus ehemaligen Ostblockstaaten, aus Asien und Südamerika stammen. Der virtuelle Raum ist damit ein recht genaues Abbild des Gefälles zwischen Reich und Arm, zwischen Ausbeutern und Augebeuteten in der realen Welt.

Die Rechtsgrundlagen, wann ein Missbrauch von Kindern vorliegt und wann nicht, sind von Land zu Land sehr verschieden. In der Schweiz gilt als Ausbeutung, wenn es vor der Kamera zu sexuellen Handlungen an Kindern kommt. Bilder von nackten Kindern sind nicht verboten, auch wenn man Geschlechtsteile sieht, und sie ganz offensichtlich zum Ziel der sexuellen Befriedigung einer bestimmten Gruppe von erwachsenen Internet-Usern aufgenommen wurden. Längst verlangen verschiedene Kreise aber eine Ergänzung des Strafgesetzartikels 197, damit nicht nur der Handel, sondern auch der Konsum oder Besitz von Kinderpornografie strafbar wird.

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In den vergangenen Jahren wurden auch in der Schweiz etliche Fälle bekannt, in denen die Polizei wegen Kinderpornografie im Internet ermittelte. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, aber tatsächlich ist es meistens äusserst schwierig, die Urheber krimineller Handlungen zu eruieren und zu bestrafen. Den Pädophilen steht mit dem World Wide Web ein immenser Freiraum zur Verfügung. Auch wenn die Bilder und Filme von Computern zum Beispipel in der Schweiz angeschaut oder sogar auf die Festplatte hinuntergeladen werden – die Server dazu befinden sich irgendwo in einem anderen Land, womit die Betreiber auch der dortigen Rechtssprechung unterliegen.

Kampf gegen illegale Pornografie im Internet
Von Anfang 1998 bis Ende 1999 unterhielt das Bundesamt für Polizeiwesen (BAP) eine Fachstelle mit zwei Internet-Polizisten, deren Aufgabe es war, Kinder vor sexuellem Missbrauch im und durch das Internet zu schützen. Konkret gingen die «Cyber-Cops» Hinweisen betreffend Kinderpornographie nach und informierten, wenn sie auf strafrechtlich relevantes Material stiessen, die kantonalen oder ausländischen Behörden. Immer wieder betonen die Schweizer Behörden in Stellungnahmen übrigens, wie wichtig ihnen der Kampf gegen illegale Pornografie im Internet sei. Die Tatsache jedoch, dass Fachstelle Internet-Monitoring trotz riesigem Arbeitsanfall wieder eingestellt wurde, lässt an den Beteuerungen zweifeln. In der Pressemitteilung zur Schliessung hiess es: «Zurzeit ist es nicht möglich, die Fachstelle personell derart aufzustocken, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Dies würde die Informatikprojekte des BAP gefährden».

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Wer heute als Web-Surfer auf anstössige Inhalte trifft, soll diese gemäss BAP der örtlichen Kantonspolizei melden. Mehr Wert auf Kontrolle im Internet legt man offensichtlich in europäischen Ländern, zum Beispiel in Deutschland. Allein Bayern beschäftigt 40 Internet-Detektive. Und im Unterschied zur Schweiz können die deutschen Strafverfolgungsbehörden von Gesetzes wegen auch aktiv werden, ohne dass eine Anzeige vorliegen muss.

Munter und – meist – ungestraft werden Pädophile im Internet auch weiterhin Kontakte zu Kindern suchen und ihr schmutziges Material anbieten und verbreiten. In Chatrooms heisst das für Kinder, dass sie sich sofort ausloggen sollten, wenn sie ein mulmiges Gefühl bekommen. Und der beste Schutz vor kinderpornografischen Bildern und Filmen ist es, verdächtige Websites gar nicht erst anzuklicken. Nur: Für die sexuell ausgebeuteten und im Internet zur Schau gestellten Kinder macht das leider keinen Unterschied.

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