«8. April 1934» – so ist der Brief datiert, den Edeltrud Girard von der Firma Truth Center zusammen mit einem Begleitschreiben zugesandt erhält. Das Papier ist an den Rändern vergilbt, der Text in altmodischer Schreibmaschinenschrift geschrieben. Doch bei näherem Hinsehen entpuppen sich Fettflecke, Gilb und Schriftbild lediglich als Druck – solch künstlich gealtertes Briefpapier ist in jeder besseren Papeterie erhältlich.

Das pseudoantike Aussehen des Schreibens inszeniert die Firma, die sich auch Zentrum der Wahrheit nennt, nicht umsonst. Es soll die abenteuerliche Geschichte untermalen, mit welcher der Versandhandel den Adressaten das Geld aus der Tasche ziehen will: Ein angeblich berühmter Mann, so das Begleitschreiben, habe dem Truth Center vor 70 Jahren 13 magische Steine zur Aufbewahrung anvertraut. Gerade diesen Sommer, so das Schreiben weiter, sollen sie nach der 70-jährigen Ruhepause ihre zauberhafte Wirkung wieder entfalten. Und Edeltrud Girard sei eine der Auserwählten für einen der 13 Glücksbringer.

Der Wunderstein sei gratis. Für die jahrzehntelange Archivierung des Steins würden hingegen Fr. 69.43 verrechnet, erklärt die Firma. Was die Empfänger der esoterischen Bettelpost allerdings nicht wissen können: Die Unternehmung wurde erst im letzten Jahr gegründet.

«Das sind die typischen Tricks, um vor allem älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen», so Jacqueline Bachmann, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Diese Sendungen gehören in den Abfall.»

Edeltrud Girard ist der Verlockung der angeblich magischen Steine nicht erlegen. «Ich werde mich in Zukunft vor der Werbeflut schützen. Denn Wunder kommen nicht per Post.»

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