Zurzeit weihnachtet es wieder auf dem Basler Barfüsserplatz. Doch der friedliche Lichterglanz trügt. Hinter den Kulissen des Weihnachtsmarktes herrschen Wut und Verzweiflung. «Die Lage droht zu eskalieren», sagt Oskar Herzig, Präsident des Schweizerischen Marktverbands.

Der Grund: Basels Behörden erteilen einheimischen Ausstellern häufig keine Genehmigung mehr. Doch viele leben vom Marktgeschäft, wie etwa Evelyn und Thomas Glaus, die Kunsthandwerk verkaufen. «Die Behörden vernichten Existenzen», sagt Evelyn Glaus. Sie und ihr Mann sind nicht die Einzigen, die dieses Jahr arbeitslos werden.

Eine kontroverse Rolle bei der Platzvergabe spielt Marktchef Beat Wüthrich. Wüthrich will die Attraktivität des Marktes nach oben schrauben, einen Event daraus machen und dafür mehr Glanz und Glitzer in die bescheidenen Verkaufshütten zaubern. Die Ansprüche an die Marktfahrer steigen. Viele sehen sich gezwungen, viel Geld in die Hand zu nehmen, um ihre Verkaufsbuden attraktiver zu machen.

Wer nicht spurt, riskiert rauszufliegen – wie Marktfahrer-Präsident Oskar Herzig. Als er seine Buden nicht aufpeppte, bekam er von Wüthrich eine Absage. Herzig kratzte darauf seine Altersvorsorge zusammen, über 200000 Franken, und kaufte zwei Chalets auf Rädern. Prompt teilte ihm Wüthrich im Jahr darauf wieder einen Standplatz zu.

Doch Wüthrichs Vorgehen ist undurchsichtig. Im Standardschreiben an die Schausteller begründet er die Absagen lapidar mit der «Zahl der Bewerbungen». Bei Einwänden spricht er nicht mit den Marktfahrern, sondern verschanzt sich hinter einer Kommission aus Basler Prominenten, deren Einfluss im Dunkeln bleibt. «Wir wollen transparente und nachvollziehbare Richtlinien», fordert Oskar Herzig.

Das Justiz- und Polizeidepartement weist alle Vorwürfe als «absurd» zurück und spricht von einer «medialen Treibjagd» gegen Marktchef Wüthrich. Der Basler Grosse Rat sieht das anders: Er setzt eine Geschäftsprüfungskommission ein, die die Vorgänge rund um den Markt durchleuchtet.