Beobachter: Angenommen, ein Produzent von Cremeschnitten würde damit werben, dass sein Gebäck nicht nur gut schmeckt, sondern auch Haarausfall stoppt. Wäre das ein Fall für die Lauterkeitskommission?
Piero Schäfer: Sicher. Aber ein Konkurrent oder ein Konsument müsste sich beschweren. Wir werden nicht von uns aus aktiv.

Beobachter: Aber dann wäre es bereits zu spät, weil der Schaden angerichtet ist.
Piero Schäfer: Richtig, aber wie sollten wir einen solchen Fall präventiv verhindern? Der Hersteller müsste uns beweisen, dass der Verzehr der Cremeschnitten gegen Haarausfall wirkt.

Beobachter: Laut einem Bericht von Radio DRS fehlen der Lauterkeitskommission rund 50'000 Franken. Mit anderen Worten: Nicht einmal mehr dieses harmlose Selbstkontrollorgan will die Werbewirtschaft finanzieren.
Piero Schäfer: Das ist die Ignoranz vieler in dieser Branche: Die Leute sollten endlich aufwachen!

Beobachter: Wie bitte, Sie kritisieren die eigene Branche?
Piero Schäfer: Ja. Auf Ende 2006 sind einige Sponsoren ausgestiegen. Zum Beispiel halbierte eine grosse Werbeagentur ihren Beitrag - aus wirtschaftlichen Gründen.

Beobachter: Aus wirtschaftlichen Gründen? 2006 wurde in der Schweiz für rund fünf Milliarden Franken Werbung gemacht. Die 50'000 Franken nimmt die Branche doch aus der Portokasse.
Piero Schäfer: Die grossen Werbeauftraggeber mit den entsprechenden Budgets haben in der Regel professionelle Werbefirmen, und die produzieren kaum unlautere oder sexistische Werbung. Die Auftraggeber glauben deshalb, keinen Bedarf zu haben. Leider konnten wir viele Grosse der Wirtschaft in den 40 Jahren unseres Bestehens nicht davon überzeugen, bei uns finanziell mitzumachen.

Beobachter: Was halten Sie von einer Zwangsabgabe?
Piero Schäfer: Das ist eine gute Idee, wenn die freiwillige Finanzierung nicht möglich ist. Meine Horrorvorstellung ist, dass der Staat künftig Werbung kontrolliert und Zensur ausübt. Das möchten wir verhindern.

Beobachter: Darf der Cremeschnittenproduzent mit dem baldigen Aus Ihrer Kommission rechnen?
Piero Schäfer: Zumindest für das Jahr 2007 hat die Lauterkeitskommission noch ausreichend finanzielle Mittel. Ich würde dem Hersteller mit seinen haarigen Versprechungen also deutlich zur Vorsicht raten.