«Nach einem mehrheitlich schönen Tag bleibt es auch heute Abend im ganzen Sendegebiet trocken.» Kaum sind die Abendnachrichten mit dem Kurzwetter auf dem Zürcher Lokalsender Radio Zürisee zu Ende gegangen, fegt ein Gewitter über die Landschaft. Ein schlechter Witz?

Mitnichten. Eher der Normalfall im schwierigen Metier der Wettervorhersage. Das zeigt ein Rückblick auf die Prognosen der Woche 45: Am Dienstag prophezeite Markus Pfister vom privaten Wetterdienst Meteonews fürs untere Zürichseebecken ein «relativ sonniges Wochenende, doch der Freitag ist nass». Am Donnerstag war dann plötzlich nicht mehr der Freitag, sondern der Samstag «regnerisch nass».

Tatsächlich setzte der tagelang beschworene Regen erst am späten Samstagnachmittag ein. Gleichentags warnte der Radio-Zürisee-Moderator: «Man kann am Sonntagmorgen gerade noch die Zeitung am Kiosk holen, bevor es wieder zu regnen beginnt.» Doch schon wieder Fehlanzeige: Auch am Sonntag blieb es bis gegen Abend völlig trocken.

Wer beruflich oder privat vom Wetter abhängig ist, weiss: Auf Prognosen ist kein Verlass auch wenn immer raffiniertere Satellitenmodelle zunehmende Präzision suggerieren.

Maximal fünf Tage im Voraus

Die Bibel aller Wetterkundigen ist die Prognosekarte des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage in Reading bei London. Die Karte illustriert die Wetterentwicklung der folgenden zehn Tage. In den allerseltensten Fällen entspricht diese Prognose jedoch der realen Wetterlage: Meist hapert es schon am zweiten Voraussagetag mit der Genauigkeit obwohl die Karte täglich zweimal aufdatiert und korrigiert wird.

Bei der Zehn-Tages-Prognose handle es sich um eine rein theoretische Vorschau, sagt Peter Albisser, Leiter von Meteoschweiz in Zürich. «Realistisch sind maximal fünf Tage.»

Um die meteorologische Deutung dieser paar Tage balgt sich heute eine ganze Armada von Wetterfröschen. Die Zeiten, als Prognosen alleinige Sache der Meteoschweiz waren, sind längst vorbei: Seit dem Boom der Privatradio- und -fernsehstationen Anfang der neunziger Jahre wird der staatliche Wetterriese von privaten Diensten konkurrenziert, die mit ihrem Service annähernd vier Millionen Franken pro Jahr umsetzen. Die Genauigkeit der Vorhersagen ist damit nicht gestiegen.

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Eine aktive Selbstkontrolle betreibt jedoch einzig die Meteoschweiz. Die Trefferquote wird ermittelt, indem die einzelnen Formulierungen der Prognosen («bewölkt», «Nebel», «Sonne») mit einem Zahlencode versehen werden, der dann mit den entsprechenden Messwerten der Wetterstationen verglichen wird.

Laut Peter Albisser erzielt die Meteoschweiz eine Trefferquote von 84 Prozent ein Wert, der allerdings mit Vorsicht zu geniessen ist. «Die alten Hasen wissen natürlich ganz genau, wie sie ihre Prognosen formulieren müssen, um gute Quoten herauszuholen», sagt Fernsehwetterfrosch Thomas Bucheli. Für ihn sind «keine negativen Zuschauermeldungen» der Beleg für die Genauigkeit seiner Prognosen.

Ähnlich argumentiert Meteonews-Chef Peter Wick: «Wir haben nicht die Mittel, um Kontrollen zu machen. Solange wir nicht mit Protest-E-Mails eingedeckt werden, sind wir auf dem richtigen Weg.»

Gemessen an den finanziellen Mitteln, ist der staatliche Wetterdienst an der Zürcher Sonnenbergstrasse seinen privaten Mitstreitern um etliche Längen voraus: Stehen der Meteoschweiz nämlich insgesamt 60 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung, muss Meteonews, die Nummer eins unter den privaten Wetterdiensten, mit etwas mehr als zwei Millionen Franken auskommen.

Nur die betuchte Meteoschweiz kann es sich leisten, den Supercomputer der ETH in Manno TI zweimal am Tage für ihre Wetterprognosen arbeiten zu lassen. Die Ausgangsdaten der Prognosekarte werden regelmässig variiert, um mögliche Abweichungen früh zu erkennen. Für den Alpenraum kommt ein feinmaschiges Wettermodell zum Einsatz, das zusammen mit dem deutschen Wetterdienst entwickelt wurde.

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Viel Erfahrung notwendig

Bucheli & Co. hingegen müssen auf den Einkauf teurer Computerdaten verzichten. Ein Handicap? «Nein», findet Peter Wick. «Was nützt mir ein Superrechner, wenn die Ausgangsdaten ungenau sind?»

Die privaten Meteorologen erarbeiten ihre Wetterprognosen mit sechs verschiedenen Wettermodellen, die sie zum Teil kostenlos über das Internet beziehen und laufend miteinander vergleichen ein zeitintensives Prozedere, das mehr Kreativität bei der Interpretation erfordert als die fixfertigen Computersimulationen von Meteoschweiz. «Für die Prognose sind mindestens 50 Prozent Intuition und Erfahrung erforderlich», sagt Peter Wick.

Auch punkto Präsentation unterscheidet sich der «amtliche Wetterbericht» markant von den Wetterkurzberichten der privaten Anbieter. Sind die Prognosen von Meteoschweiz grossräumig und eher unverbindlich («veränderlich») gehalten, setzen die Privaten auf pointierte Formulierungen: «Am Morgen ist es noch trocken, am Mittag wird es dann regnerisch.»

Dass derlei konkrete Aussagen ins Auge gehen können, nehmen die privaten Wetterfrösche offenbar in Kauf. Pech für Radiohörerinnen und -hörer, die die Aussagen für bare Münze nehmen sie können dann buchstäblich im Regen stehen.

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