Am frühen Morgen herrscht strahlend schönes Wetter. Peter Albisser erinnert sich an den Tag, als wäre es gestern gewesen. Er besteigt mit einem Kollegen den 4807 Meter hohen MontBlanc. Von Süden ziehen Wolken auf.

Meteorologe Albisser glaubt, dass sie es dennoch gut bis zum Gipfel schaffen. Er täuscht sich: Innerhalb von zwei Stunden schlägt das Wetter um. Die Bergspitze ist von Wolken eingehüllt, Sturmböen peitschen gegen die Bergflanken, Hagel prasselt herab, und Schnee wird aufgewirbelt. «Wir mussten sofort umkehren und kämpften uns bis zum Biwak hinunter. Dort harrten wir 36 Stunden aus, bis sich das Wetter endlich ein bisschen beruhigte», erinnert sich Albisser. Dieses Jugenderlebnis ist noch immer fest in seinem Gedächtnis verankert.

Der heute 56-Jährige arbeitet seit 30 Jahren bei MeteoSchweiz und ist immer noch begeisterter Alpinist. Auch einem ausgewiesenen Wetterprofi kann es also passieren, dass er die Wetterzeichen nicht richtig deutet. In den Bergen ändern sich Wind, Bewölkung und Temperatur viel rascher als im Flachland. «Das Wetter muss man respektieren. Man hat damit nie ausgelernt», so Albisser.

Jeder wird mal von schlechtem Wetter überrascht. Wer aber im Hochgebirge oder auf einer Wildwasserfahrt unterwegs ist, braucht mehr als nur Glück. Da zahlen sich Grundlagen in der Wetterkunde aus, damit rechtzeitig auf einen Wetterumschwung reagiert werden kann.

Für Peter Albisser ist das A und O einer gelungenen Tour, dass man sich bei der Tourenplanung genau übers Wetter informiert, sich also am Vorabend den Wetterbericht anhört und die Wetterprognosen berücksichtigt.

Wer sich darauf nicht verlassen will, packt einen Höhenmesser ein, mit dem man wetterbedingte Luftdruckänderungen erkennen kann. Viel Beachtung müssen die Berggänger dem Himmel schenken. Veränderungen der Wolkenbilder und des Windes zeigen an, wie sich das Wetter in der nächsten Zeit entwickelt. Wer die Signale richtig deuten kann, wird vor unangenehmen Überraschungen bewahrt (siehe Artikel zum Thema «Wetterregeln: Die Wolkenbilder sagen mehr als tausend Worte»).

Bergführer Jürg Haltmeier, Leiter der Alpinschule Berg & Tal in Interlaken, verlässt sich mehr auf seine Erfahrung als auf Wetterberichte. Einmal an Auffahrt wollte er mit einer Gruppe zur Oberaletschhütte aufsteigen. Aufgrund der telefonischen Auskunft des Wetterdienstes machte sich die Gruppe auf den Weg, denn der Meteorologe hatte versichert, dass die Föhnwand nur bis Zermatt und Saas Fee reiche und nicht über den Alpenkamm schwappen werde. Am ersten Tag war das Wetter noch halbwegs gut.

Probleme wegen falscher Prognose


Am zweiten Tag starteten die Bergsteiger um drei Uhr nachts Richtung Breithorn im Lötschental. Nach anderthalb Stunden ging ein heftiges Gewitter mit Platzregen nieder. Die Gruppe musste an den Gletscherrand fliehen und dort in Hockstellung das Ende des Unwetters abwarten. «Die Skistöcke surrten, und die Haare standen uns wegen der hohen Elektrizität in der Luft zu Berge», erzählt Haltmeier (siehe Artikel zum Thema «Gewitter: Blitzschnell handeln»). Sie erreichten am frühen Morgen die Hütte, wo sie ihre Ausrüstung trocknen lassen konnten. Die nächsten Tage war wegen Nebel und Schnee an keine Weiterführung der Tour zu denken. «Wir trugen es mit Fassung», sagt Haltmeier, «beim zuständigen Meteorologen habe ich mich aber beschwert.»

Im Sommer von Schneefall überrascht


Haltmeiers Tipp: Einheimische übers Wetter befragen oder die Hüttenwarte anrufen. Diese kennen sich gut aus in der Region. Auch die alten Bauernregeln «Morgenrot – Schlechtwetter droht» und «Abendrot – Gutwetterbot» seien recht verlässlich.

Unerlässlich ist eine gute Ausrüstung. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte auch im Sommer immer Mütze und Handschuhe sowie eine Regenjacke dabeihaben. «Oberhalb von 2500 Metern über Meer kann es auch im August sehr rasch abkühlen. Plötzlich ist es nur noch fünf Grad warm», erklärt Jürg Haltmeier. Besonders tückisch sind Kaltfrontgewitter, die blitzschnell aufziehen und oft nahtlos in ausgiebige Niederschläge übergehen. Die Schneefallgrenze sinkt dann in den Alpen schnell auf unter 2000 Meter ab – auch im Hochsommer!

Telefonnummern

  • 162
  • Unwetterwarnungen per SMS: Den Text «Start Unwetter» an 162 senden – Abonnenten erhalten eine Kurzmitteilung (40 Rappen pro SMS), wenn Sturm, Regen, Eisregen oder Gewitter drohen.
  • 0900 162 333 (persönliche Wetterberatung von MeteoSchweiz rund um die Uhr, 3 Franken Grundgebühr, 1 Franken pro Minute)


Fernsehen

  • Teletext Seite 199


Buchtipps

  • Peter Albisser: «Wetterkunde für Wanderer und Bergsteiger»; SAC-Verlag, 2001, 39 Franken
  • Claus G. Keidel, Walter Sönning: «Wolkenbilder Wettervorhersage»; BLV-Verlag, 2002, Fr. 14.90
Quelle: Agentur Gettyimages
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