Am 12. Juni beginnt in Brasilien die Fussball-WM 2014, und die passionierten Tipper stehen schon in Bereitschaft. Das Angebot an Tippspielen für den Privatgebrauch oder in grösseren Gruppen ist riesig. Vieles davon ist allerdings wenig originelle Dutzendware. Der Beobachter hat sich deshalb auf die Suche nach Trouvaillen gemacht: Drei Tipps fürs gepflegte Tippen, zur Nachahmung empfohlen.

Das Trainerspiel

Wer wäre nicht gern mal ein Trainer, der seine Wunsch-Elf aufs Feld schickt? Diese Leitfrage steht hinter dem «Traumtrainer»-Spiel, das der Berner Historiker und Fussballenthusiast Werner Bosshard aus einer Vorlage der früheren Fachzeitung «Sport» weiterentwickelt hat. Gespielt wird im Freundeskreis. Täglich aktualisierte Ranglisten halten die im Schnitt 35-köpfige Tipper-Truppe während der ganzen WM bei der Stange.

Spielregeln: Jeder «Traumtrainer» bildet eine Mannschaft, bestehend aus Coach, Torhüter, vier Verteidigern, drei Mittelfeldspielern und drei Stürmern (Einteilung aufgrund der Fifa-Spielerlisten). Dabei darf ein Nationalteam nicht mit mehr als vier Spielern plus dem Coach vertreten sein. Die Nominierten sammeln dann nach einem Wertungssystem Punkte (siehe weiter unten). Nach der Gruppenphase kann einmal gewechselt werden: Coach, Torhüter und drei Feldspieler. Auch danach darf man nicht mehr als vier Akteure eines Landes im Aufgebot haben. Die neuen Spieler beginnen bei null; die Punkte der ausgewechselten Spieler bleiben in der Wertung.

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Das Wertungssystem berücksichtigt die Leistung der aufgeführten Akteure mit Bonus und Malus. So zählt etwa ein Sieg für jeden Spieler/Coach plus drei Punkte, eine Niederlage minus zwei. Zusätzlich wird je nach Position bewertet. Zum Beispiel bei einem Verteidiger: Schiesst er ein Tor, gibt es sieben Pluspunkte. Kassiert sein Team drei oder mehr Gegentore, sind es zwei Minuspunkte. Massgeblich sind dabei die offiziellen, im Internet publizierten Fifa-Matchblätter.

Das Wertungssystem kann beliebig ausgestaltet und erweitert werden – ein Muster findet sich unter www.zuschauer.ch/abegglen_VI

Charakteristik: Weil die «Traumtrainer» Spieler mehrerer Nationen aufbieten können, ist die Chance gross, über weite Strecken des WM-Turniers heisse Eisen im Feuer zu haben.

Durch das Bonus-Malus-Punktesystem kann es ausserdem zu schnellen Umstürzen in der Wertung kommen, so dass das Tippspiel bis zum Schluss spannend bleibt. Dessen geistiger Vater Werner Bosshard beschreibt den Reiz so: «Diese verschärfte Emotion, wenn dein Team zwar gewinnt, dein Stürmer aber, statt selber zu topfen, noch einen Querpass spielt – ausgerechnet zum Spieler eines deiner direkten Konkurrenten.»

Das Quoten-Game

Die 1/X/2-Spielwette ist die Basis der meisten Tippformate. Also: Welches Team gewinnt den Match? Oder gibts ein Unentschieden? Diese Grundform lässt sich fast beliebig ausbauen, etwa durch Zusatzpunkte fürs korrekte Resultat oder für die richtige Prognose zu mehr Spielanteilen, Eckbällen, Verwarnungen et cetera. Richtig reizvoll macht es aber erst der Einbau von Quoten, um die Stärke der Teams zu gewichten.

Spielregeln: Zuerst werden alle Spieleinsätze festgelegt, für die Vorrunde zum Beispiel 10 Punkte pro Match. Ebenso müssen die Zusatzgewinne definiert werden, etwa 15 Punkte, wenn das Resultat richtig getippt wird.

Danach geht es darum, für alle WM-Gruppen die Quoten zwischen 1 (für das nominell stärkste Team) und 6 (für das schwächste) festzulegen. Beispiel Gruppe D: Italien 1, England 3, Uruguay 4, Costa Rica 6. Diese Quoten werden dann ins 1/X/2-System übertragen, wobei das Unentschieden (X) der Mittelwert ist. Bei der Partie England-Costa Rica lautet die Formel somit 3/4,5/6.

Nach diesen Vorbereitungen gibt jeder Teilnehmer seine Tipps für alle Vorrundenspiele ab. Beim Gewinn kommen die zuvor definierten Quoten zum Zug. Fürs obige Beispiel: Ein richtiger Tipp auf einen Sieg von England ergibt 30 Punkte (Spieleinsatz mal Quote); wird gar das korrekte Resultat vorausgesagt, sind es 45.

Nach der Gruppenphase werden die Punkte übertragen, und das Prozedere geht mit den Achtelfinals weiter. Weil es von da an um die Wurst geht, werden die Spieleinsätze für jede Ausscheidungsrunde bis zum Final erhöht. Die Quoten bleiben unverändert.

Charakteristik: Das Spiel für Gambler: Ein erfolgreicher Aussenseitertipp katapultiert einen in der Wertung nach oben. Weil die Verwaltung des Quoten-Tippspiels relativ aufwändig ist, empfiehlt es sich eher für kleine Gruppen.

Das Beizen-Quiz

Ein WM-Quiz in einer Bar ist die sportlich angehauchte Alternative zu einem Lottoabend: hingehen, sich zusammen mit Gleichgesinnten dem gleichen Spiel widmen – und Kreuzchen machen. Und dazu natürlich etwas trinken. Weil man das bei einem vierwöchigen Turnier mit Vorteil nicht jeden Abend tut, bietet sich das Mitraten im Internet an, das viele Veranstalter ergänzend anbieten. Gute Adressen für solche Beizen-Ratespiele sind die einschlägigen Fussballbars in den Städten – in Zürich etwa das «Le Calvados» mit dem «Brasidaplatz-WM-Quiz».

Spielregeln: Denkbar simpel: 80 Entweder-oder-Fragen, für richtige Antworten gibts Punkte. Dabei kann man mit dem richtigen Finaltipp eine verkorkste Vorrunde am Schluss noch entscheidend korrigieren. Das Spiel im Internet: www.lecalvados.ch/brasidaplatz

Charakteristik: Mischa Dieterich, Mitbetreiber des «Le Calvados», setzt auf Spass statt auf Insiderwissen. «Unser Quiz ist bewusst als Ratespiel konzipiert, bei dem auch Normalsterbliche mitmachen können, nicht nur vermeintliche Experten und Nerds.»

Der Beleg dafür: Am 15. Juni, wenn Argentinien gegen Bosnien spielt, wird gefragt, ob es «während des Spiels in Otelfingen regnen wird». Das Wissen darüber steht tatsächlich in keinem Fussballlehrbuch.

Voller Einsatz: Online-Plattformen für WM-Tipper

Im Internet wimmelt es von – meist kostenlosen – Angeboten für das Durchführen und Verwalten von Online-Tippspielen zur WM. Ein paar lohnende Portale.

www.11fans.de
Plattform von zwei deutschen Fussballfans und IT-Nerds. Besonderheit: Man kann sein ganz persönliches Tippspiel im bevorzugten Design mit eigenen Regeln und eigener Community erstellen.

www.kickprophet.com
Grafisch schön aufgemachte Site mit vielen Bonusfragen und Jokerfunktionen. Wer mitmacht, nimmt automatisch am Tippwettkampf aller User teil, man kann zusätzlich aber auch eigene Spielrunden mit Freunden anlegen.

www.ligaexperte.de
Das Portal von Fans für Fans. Speziell sind die «Expertenrunden»: Geschlossene Gruppen (etwa Schulklassen, Firmen) können sich untereinander messen und eine eigene Tipptabelle nutzen.

www.tipponline.ch
www.kicktipp.de
Die Klassiker-Plattformen liefern solide Spiele mit zahlreichen Optionen zur WM.

Wetten, Toto, Quiz: Was ist legal?

  • Massgebend für Gewinnspiele rund um die Fussball-WM ist das Lotteriegesetz. Dieses verbietet Wetten nur, wenn sie gewerbsmässig veranstaltet werden. Das heisst im Umkehrschluss: WM-Wetten sind legal, wenn die eingesetzten Spielbeträge am Schluss wieder an die Teilnehmer zurückfliessen. Verdienen darf also nicht der Veranstalter, sondern der beste Tipper oder die besten Tipper.

  • Was die erwähnte Gewerbsmässigkeit genau bedeutet, umschreibt das Gesetz nicht näher. Generell lässt sich jedoch sagen, dass ein Veranstalter dann gewerbsmässig handelt, wenn er Einnahmen erzielt, die einen Beitrag an seinen Lebensunterhalt darstellen. Keine Gewerbsmässigkeit ist hingegen gegeben, wenn der Organisator keinen oder lediglich einen kleinen Gewinn generiert, um damit seine Unkosten zu decken. Und ebenso, wenn der Teilnehmerkreis und die Dauer der Wette begrenzt sind.

  • Wer unschlüssig ist, kann sich vorgängig an die kantonalen Bewilligungsbehörden (zu erfahren bei der Staatskanzlei oder auf der Gemeindeverwaltung) oder an das Bundesamt für Justiz wenden.