Der Staubsauger funktioniert nur noch in Erinnerungen – und auf einem Zahlungsbefehl. Bild: Thinkstock Kollektion

InkassofirmaWirbel um 33-jährigen Staubsauger

Weil alle vor 1997 ausgestellten Verlustscheine bald verjähren, durchforsten Firmen ihre Archive. Das führt dann zu absurden Forderungen, wie der Fall von Elisabeth Studer* zeigt.

von Martin Müller

Elisabeth Studer* erinnert sich noch genau an den Staubsauger, den ihr Mann ihr zum Geburtstag geschenkt hat. Dabei war das 1983. «Ich freute mich riesig und sah das Geschenk als positives Signal in der kriselnden Beziehung.» Sie weiss noch, dass der ­Sauger ein extralanges Rohr hatte, ­gegen Spinnweben an der Decke.

Die Ehe ging kurz darauf dennoch in die Brüche. Dass Elisabeth Studer heute daran erinnert wird, liegt am Elektrohändler Fust, der Geld von ihr will für den Electrolux-Staubsauger – 33 Jahre nach dem Kauf. Über eine Inkassofirma verlangt Fust 700 Franken; das Gerät hatte damals 400 gekostet.

Anzeige

Die Unterschrift der Ehefrau gefälscht

Der Grund für die überraschende und etwas in die Jahre gekommene Forderung: Ihr Exmann hatte das vermeintliche Geburtstagsgeschenk gar nie bezahlt, sondern auf dem Kaufvertrag die Unterschrift seiner Frau gefälscht. Daraus entstand 1984 ein Verlustschein. Die junge Familie war knapp bei Kasse, die Ehe am Ende, zurück blieb die Frau mit drei unmündigen Kindern und einem Schuldenberg.

Von Fust hörte Studer jahrzehntelang nichts mehr – bis die Inkasso­firma Creditreform diesen Frühling eindringlich einen «Zahlungsvorschlag» für die offene Staubsauger-Rechnung verlangte. «Das war ein Schlag in die Magengrube», sagt Elisabeth Studer. «Ich habe lange genug gebüsst für die kaputte Ehe.» Zehn Jahre lang hat sie Schulden abgezahlt; ihr Exmann ist inzwischen verstorben.

Es ist kaum ein Zufall, dass Fust ­genau jetzt die uralte Forderung ausgegraben hat – auch andere Firmen durchforsten derzeit ihre Archive. Alle vor 1997 ausgestellten Verlustscheine verjähren nämlich Anfang 2017 defi­nitiv. Fust-Sprecherin Sabine Weber verneint indes einen Zusammenhang mit der drohenden Verjährung. Der Verlustschein sei bereits 2009 ans ­Inkassobüro übergeben worden.

Nachdem der Beobachter Fust über die tragischen Hintergründe des Verlustscheins aufgeklärt hat, will der Elektrohändler jetzt auf das Eintreiben des Betrags verzichten.

Der Staubsauger hat übrigens schon vor Jahrzehnten den Geist ­aufgegeben.

* Name geändert