Eine international tätige Betrügerbande versucht ihr Glück bei angeblichen Glücksspielern. Bild: Thinkstock Kollektion

BetrugsversuchNeue Masche mit Spieleinsätzen

Eine deutsche Anwaltskanzlei treibt bei angeblichen Euro-Millions-Spielern Geld ein. Völlig zu Unrecht.

von Martin Vetterliaktualisiert am April 16, 2015

Die angeblich in London ansässige Anwaltskanzlei TCR fordert die Glücksspieler auf, ihre Zahlungsrückstände über 750.86 Euro beim «Fachverband der Lotterie und Glückspielanbieter Deutschland» zu begleichen. Man sei bereit, diese Forderung gegen die einmalige Zahlung von 323.50 Euro zu erlassen. Zahle man nicht, werde die Kanzlei gerichtlich vorgehen. Für die entstehenden Kosten müsse der Schuldner zusätzlich aufkommen.

Das Schreiben, das mit seinen Stempeln, den Verweisen auf Paragraphen und dem Vergleichsangebot einen seriösen Eindruck schinden will, ist eine Fälschung. Es ist die neuste Masche einer international tätigen Betrügerbande aus dem Osten. Die meisten Angaben sind falsch.

Die «Kanzlei TCR International LLP» in London ist unbekannt. Auch am angegebenen Firmensitz «20 St Mary Axe London» ist keine solche Firma ansässig. Es handelt sich um den 180 Meter hohen Swiss-Re-Tower, im Volksmund «die Gurke» genannt. Einen «Fachverband der Lotterie und Glückspielanbieter» in Deutschland gibt es nicht. Die im Schreiben genannte Kundenhotline führt zu einer Anwaltskanzlei Justorat aus Nürnberg, auch wenn die Vorwahl auf Düsseldorf lautet. Verschiedene deutsche Verbraucherzentralen warnen vor der Kanzlei. Die 323.50 Euro sollen gemäss dem beigelegten Einzahlungsschein aber weder nach London noch nach Nürnberg oder Düsseldorf überwiesen werden, sondern nach Rumänien. Das ist leicht erkennbar an der IBAN, die mit dem Länderkürzel RO beginnt.

Ähnliche Mahnschreiben tauchten bereits ab Anfang Februar in verschiedenen deutschen Bundesländern auf. Das Geld sollte abwechslungsweise auf ein bulgarisches oder ein niederländisches Konto überwiesen werden. Die jüngste Welle betrifft die Schweiz. Allein in den letzten beiden Tagen sind beim Beratungszentrum des Beobachters ein Dutzend Anfragen verunsicherter Konsumenten eingegangen. Sie erklärten übereinstimmend, nie Euro Millions gespielt zu haben.

Der Rat von Beobachter-Beraterin Doris Huber: «Lassen Sie sich nicht einschüchtern und zahlen Sie auf keinen Fall den geforderten Betrag. Das Schreiben gehört ins Altpapier.»

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