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EuronetcityPlanvolle Inseratenjagd

Bild: Getty Images

Die Forderung kam aus dem Nichts. 1640 Franken sollte der Gümliger Apotheker Andreas Neuenschwander der deutschen Verlagsgesellschaft Euronetcity bezahlen: für einen angeblichen Anzeigenauftrag in der «Bürgerinformationsbroschüre», einem Ortsplan mit wenigen Artikeln und vielen Inseraten. Doch Neuenschwander konnte sich an keinen Vertrag und noch weniger an seine Unterschrift darunter erinnern.

von Maja Bosshart

Euronetcity half ihm auf die Sprünge – mit einer Vertragskopie. Zwar erkannte der Apotheker seine Unterschrift auf dem Doppel. Doch am fraglichen 10. April war er gar nicht im Geschäft; er kann den Vertrag also unmöglich unterschrieben haben. Er weiss auch nicht, wie seine Unterschrift dorthin kam.

Das Spekulieren mit der Vergesslichkeit der Kleinunternehmer hat bei Euronetcity System: Gemäss Recherchen des Beobachters hat ein Grossteil der 96 Deutschschweizer Inserenten nie einen Vertrag unterschrieben.

Auf einigen Verträgen prangte neben der Firmenanschrift gar die Unterschrift von Unbekannten. Wie Euronetcity an die Unterschriften kam, bleibt offen: Sie ist für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Trotz seinen unsauberen Methoden hat der deutsche Verlag Erfolg: Einige der von dreisten Mahnungen eingeschüchterten Gewerbler haben die Rechnung für das Inserat bezahlt.

Andreas Neuenschwander hingegen hat dem Verlag mit dem Rechtsweg gedroht und geht davon aus, dass die Sache nun erledigt ist.

«Wir raten allen getäuschten Kunden davon ab, zu bezahlen», sagt Alfred Jung von Media Swiss, einer langjährigen Herausgeberin von Ortsplänen. Gemäss Jung sind sechs deutsche Verlagsfirmen in der Schweiz aktiv und verunsichern mit ihren Akquisitionsmethoden die Kunden.

Kürzlich wagte sich erneut ein Vertreter mit einem Ortsplan zu Neuenschwander. «Sie können gleich wieder gehen», spedierte der Apotheker den Verkäufer hinaus, «bei mir ist das vom Tisch.»

Veröffentlicht am 2002 M11 11