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InternetHunde, die bellen...

Angeblich ein Internetabo gelöst, aber nicht bezahlt? Keine Sorge: Mahnbriefe von Internetabzockern sind nicht mehr als heisse Luft.

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Tausende Schweizer haben in den letzten Wochen Post von Rechtsanwalt Boris Hoeller aus Bonn erhalten: Sein «Inkassodezernat» bietet die «letztmalige Gelegenheit», die angeblich längst geschuldeten umgerechnet 100 Franken plus Mahngebühren zu bezahlen. Wer Hoellers angsteinflössendes Schreiben erhalten hat, kann aber aufatmen: Es handelt sich bloss um den neusten Versuch, eine ungerechtfertigte Forderung einzutreiben.

Die Betroffenen hatten vor einiger Zeit auf einer Website wie genealogie.de oder iqtest.de ihre persönlichen Daten eingegeben. Nur im Kleingedruckten oder am untersten Rand der Seite stand, dass die Anmeldung ein kostenpflichtiges Abo auslöst - und dafür kommt nun eine Rechnung oder eine Mahnung. Tausende von Anfragen in diesem Zusammenhang sind beim Beobachter bereits eingegangen.

Weil der Sachverhalt in der Regel der gleiche ist, bietet das Beobachter-Beratungszentrum den Betroffenen auf HelpOnline Musterbriefe an, um die Mahnungen zurückzuweisen. «Einer davon ist für Eltern von Minderjährigen gedacht, die von den Internetabzockern behelligt werden», so Beobachter-Expertin Doris Huber. «Sie können auf die Minderjährigkeit ihrer Kinder hinweisen und so die Nichtigkeit des Vertrags begründen, müssen aber keine Ausweiskopie mitschicken.» Wichtig: Wer per Mail kontaktiert wurde, sollte keinesfalls seine Postadresse verraten. Auch wer einmal bezahlt hat, muss erneute Rechnungen nicht mehr begleichen.

Die Musterbriefe können auch jene verwenden, die von Olaf Tank Post erhalten: Der Osnabrücker Anwalt treibt im Auftrag der Gebrüder Schmidtlein Forderungen ein, die sich auf Besuche von Websites wie basteln-heute.de oder gedichte-heute.com beziehen. Tank verweist in der Mahnung auf die Page forderungseinzug.de, auf der sich etliche Gerichtsurteile finden, die alle zugunsten von Schmidtleins ausgefallen sind.

Mangel an Beweisen
Allerdings nur auf den ersten Blick: «Die Urteile beziehen sich zumeist auf Fälle, in denen sich die Betroffenen zuvor auf eine Ratenzahlungsvereinbarung eingelassen, diese jedoch nicht eingehalten haben», erklärt Jurist Thomas Bradler vom Bundesverband der deutschen Verbraucherzentralen. «In der Sache selbst ist uns kein Gerichtsentscheid bekannt.» Kein Wunder, denn die Internetabzocker scheuen sich, die Gerichte anzurufen, weil sie ihre Forderungen kaum beweisen könnten. Dem Beobachter ist kein Fall bekannt, bei dem Betroffene aus der Schweiz tatsächlich betrieben oder vor Gericht verklagt worden wären.

Veröffentlicht am 2007 M10 23