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KuriosAuch Parkuhren haben ein Ablaufdatum

In der Stadt Bülach läuft nicht nur die Parkzeit ab, sondern gleich die ganze Parkuhr. Schuld daran ist ein veralteter Kalender.

Bald abgelaufen: Bülachs Parkuhren haben ein Software-Problem.

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Parkuhren sind nicht gerade das Nächstliegende, wenn man an Innovationen denkt. Doch ein genauerer Blick auf das viel verpönte Gerät zeigt, dass es fast mustergültig im Rhythmus des Fortschritts tickt.

Als Roger W. Babson 1928 in den USA das erste Patent für ein «münz­gesteuertes Parkmessgerät» einreichte, plante er noch, den für den Betrieb benötigten Strom mit einem Kabel von der Batterie des parkierten Autos ­abzuzapfen. Diese Technik setzte sich allerdings nicht durch.

Sieben Jahre später stellte Okla­homa City die ersten Parkuhren auf. Angeblich hat sich daraufhin der ­stockende Verkehr innert Tagen verflüssigt. Detailhändler verlangten umgehend, die neuen Dinger müssten an ihrer Strasse ebenfalls aufgestellt ­werden. Erzählen Sie das einmal dem ­Schweizerischen Gewerbeverband.

Ab 1960 beschäftigte die Stadt Zürich vier professionelle Parkuhrenaufzieher. Sie hielten die 5000 städtischen Parkuhren mit einer Kurbel in Gang, auf dass die Automobilisten sehen konnten, wie der Zeiger langsam aus dem weissen ins rote Feld wanderte.

Und ewig fehlte das Münz

Dieses Jahr stellten die SBB erstmals Parkuhren auf, die kein Bargeld mehr akzeptieren. Weil die Münzgeräte zu oft Vandalen zum Opfer fielen, kann man an den neuen Geräten nur noch mit Karte bezahlen.

Damit endet auch die Odyssee von Liedermacher Mani Matter. «Bimne Parkingmeter ha ni mys Outo welle la. Aber ha kes Zwänzgi gha, für bim Gältschlitz ynezla.» Matter hätte sein Auto stehen lassen müssen, um auf der Post Geld zu wechseln. Das konnte er aber nicht, weil er das Auto nicht stehen lassen konnte. Ein Teufelskreis.

Dass sich technologischer Wandel nicht problemlos vollzieht, erlebt zurzeit Bülach. Da der ein­gebaute elek­tro­nische Kalender 2019 ab­läuft, muss die Stadt für 190'000 Franken alle 50 Parkuhren ersetzen. 

Auszug aus dem «Zürcher Unterländer» vom 20. Juli 2016

Quelle: Hanna Jaray

Die heutigen ­Modelle stammen von 1993, als Speicherplatz knapp und teuer war. Die Elektronik zu ersetzen wäre unverhältnismässig teuer. Eine Parkuhr muss aber wissen, ob es Sonntag oder Montag und neun Uhr morgens oder abends ist.

Das Ganze sei «vergleichbar mit dem Millennium-Problem bei den Computern», zitiert der «Zürcher ­Unterländer» den zuständigen Ab­teilungsleiter. Oder mit dem Hype um den Mayakalender 2012, doppeln die Spötter nach.

Das gleiche Parkuhrmodell jedenfalls ist schweizweit noch mit Tausenden Exemplaren im Einsatz. Von der kurzen Halbwertszeit profitieren also zumindest die Hersteller.

Veröffentlicht am 30. August 2016

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1 Kommentar

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Robert L.
1993-2016 = 23 Jahre Halbwertszeit? Die Dinger sind doch schon x-mal abgeschrieben. Unsinniger Aufreger.

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