Vor der Holzofenbäckerei Jakober im innerrhodischen Haslen fährt ein Lastwagen des Transportunternehmens Quali-Night vor und nimmt Ware entgegen: Brot, Gipfeli und andere Backwaren – allesamt in Bioqualität. Einiges ist in Kartonschachteln verpackt, aber an diverse Kunden wird die Ware in offenen Harassen und nur mit einem dünnen Papier abgedeckt geliefert. Von Haslen führt die lange Fahrt durch die Nacht zuerst ins luzernische Altishofen zum Umschlagplatz von Quali-Night und von dort weiter zu den Empfängern: Bioläden und Reformhäuser in der ganzen Deutschschweiz.

Klartext im Lebensmittelgesetz


Was ausser dem Biobrot sonst noch unter den Blachen der Dreieinhalbtönner mitfährt, hängt von der Auftragslage ab: Neben den offenen Brotkisten lagern je nachdem kleine Ölfässer für Fabriken oder Auspufftöpfe und Autobatterien für Garagen – so gestapelt, dass der Platz optimal ausgenutzt wird. Das ist unhygienisch – und überdies vorschriftswidrig.

Gemäss Lebensmittelgesetz gibt es am rechtlichen Sachverhalt nichts zu deuteln: Lebensmittel müssen «so gelagert, transportiert oder abgegeben werden, dass sie nicht von gesundheitsgefährdenden Stoffen oder sonstwie nachteilig beeinflusst werden können».

«Die offenen Harassen sind sicher nicht optimal», gesteht Christoph Züst, Geschäftsführer der Holzofenbäckerei Jakober, ein. Man überlege sich nun, die Kisten mit einem Deckel zu verschliessen. «Die Schlitze an den Seiten», so Züst, «würden aber offen bleiben.»

Dabei dürften die Brottransporte noch am wenigsten heikel sein. In den Quali-Night-Transportern reist auch Frischfleisch quer durchs Land. In Styroporboxen verpackt, wird die heikle Ware einzig durch beigelegtes, in Vakuumfolie eingeschweisstes Eis gekühlt. Was im Winter kein Problem ist, führte letzten Sommer zu diversen unappetitlichen Szenen: Mehrere Male floss aus den Boxen Saft heraus. «Mindestens eine Box», sagt ein Insider, «war derart aufgeweicht, dass beim Anheben der Boden herausfiel und das Fleisch auf dem Hallenboden landete.»

Biometzger Ernst Stettler aus Langenthal, der die Ware verschickte, erinnert sich, «dass Boxen beim Transport demoliert wurden». Danach seien aber die Behälter besser kontrolliert worden. Stettler ist überzeugt, dass er mit dem beigelegten Eis die Vorschriften des Lebensmittelgesetzes einhält. Dieses schreibt vor, dass Fleisch bei maximal sieben Grad transportiert wird. Vorgeschrieben ist jedoch auch, dass «geeignete, kontrollierbare Temperaturbedingungen» herrschen – was eine Styroporbox kaum gewährleisten kann. An Reklamationen von Abnehmern, vorwiegend Gastrobetrieben, könne er sich nicht erinnern, sagt Stettler. Diese seien gemäss Lebensmittelgesetz zu einer Kontrolle der gelieferten Ware verpflichtet.

Schwarzer Peter wird weitergereicht


Quali-Night verzichtet gegenüber dem Beobachter auf eine Stellungnahme. Das Transportunternehmen hat aber vorgesorgt: «Der Auftraggeber bzw. Absender hat für eine geeignete Verpackung besorgt zu sein», heisst es in den Geschäftsbedingungen. Damit macht es sich Quali-Night etwas gar einfach: Gemäss Lebensmittelgesetz steht in der Verantwortung, «wer Lebensmittel herstellt, behandelt, lagert, transportiert oder abgibt» – also alle, vom Produzenten über den Transporteur bis zum Verkäufer.

Das weiss man auch beim kantonalen Laboratorium in Luzern. Man werde die Sache unter die Lupe nehmen, sagt der stellvertretende Kantonschemiker Richard Schmid: «Aber den Lastwagen hinterherfahren und sie unterwegs kontrollieren werden wir nicht.»