«Genug ist nicht genug. Oder doch? Nach 15 Jahren in der Werbebranche gestattete ich mir einen Befreiungsschlag.

Ich verkaufte meine Firma und zog mich in mein Chalet im Berner Oberland zurück. Ein ganz neues Lebensgefühl: Ich konnte plötzlich tun und lassen, was ich wollte. Zuvor war ich für 25 Menschen verantwortlich gewesen. Jeder Entscheid hatte unzählige weitere nach sich gezogen: Die Firma wurde grösser, das Auto, die Ausgaben, das Haus, die Verpflichtungen. Und grösser wurden auch die Bedenken.

Seit zwei Jahren ist die Zeit mein eigenes Gut. Nein, ich bin kein Aussteiger, eher ein stiller Geniesser. Und geniessen geht einfach besser, wenn man weniger am Hals hat. Konzentration ist alles. Ich arbeite jetzt als freier Konzepter und kann es mir leisten, nichts mehr tun zu müssen, damit es einfach getan ist. Die Evolution der Abhängigkeiten vollzieht sich wie von allein. Wenn man hier nicht irgendwann mit dem Fallbeil dazwischengeht, ist man plötzlich nicht mehr Herr der Lage, sondern wird von ihr bestimmt.

Genug ist nicht genug: Das ist die Grundbotschaft der Werbebranche. Eine spannende Branche, die verkündet,

dass Menschen zufriedener werden wenn sie erst mal ein bestimmtes Produkt gekauft haben. Werbung spielt mit der Sehnsucht, als Individuum von Bedeutung zu sein. Wir leben in einer Welt, in der sich die Leute über Produkte definieren. Auch ich schätze meine Harley-Davidson, einen guten Wein, schöne Bücher. Sonst aber halte ich es gern mit Epikur,

Anzeige

der sagte: Man soll auf das eine Glück verzichten, das dem höheren Glück im Wege steht.»

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.