«Ich war 17, als ich das Kloster Mariastein zum ersten Mal besuchte.

Die Stille, die Ernsthaftigkeit, das rhythmische Leben hatten mich zutiefst beeindruckt. Lange wollte ich nicht glauben, dass mir das so tief ging. Erst drei Jahre später, an Silvester 1990, trat ich ins Kloster ein kurz vor Ausbruch des Golfkriegs. Ich betete täglich für den Frieden.

Die Klostermauern sind kein Schutz, kein Versteck. Wir sind Teil dieser Welt und oft mit Leid konfrontiert, das der Gesellschaft ausserhalb verborgen bleibt. Jährlich pilgern mehr als 100000 Menschen in unsere Wallfahrtskirche. Sie zu betreuen ist ein Teil meiner Arbeit.

Das Tagesgeschehen fliesst immer ins Stundengebet. Dass das World Trade Center in New York zerstört worden war, erfuhr ich durch das Gebet eines Bruders für die Opfer. Ich wollte es nicht glauben. Das erste Mal nach zwei Jahren schaute ich wieder Fernsehen. Die Bilder haben mich lange verfolgt. Doch die Wirklichkeit ist hinter allen Bildern. Um dieses Dahinter zu erfahren, bin ich hier.

Die modernen Menschen leben in einer Gesellschaft, in der man alles haben kann. Und doch klagen die meisten so viel. Glück aber ist eine Form der Dankbarkeit. Ich erfahre es fünkchenweise. In der Begegnung mit einem lieben Menschen zum Beispiel. Oder im Schauen: Wie herrlich unsere Schöpfung ist!

Wir sind eine Gemeinschaft von 28 Mönchen unterschiedlichster Herkunft und Art. Das ist nicht immer einfach. Seit ich hier bin, starben sieben Brüder. Ja, auch ich werde hier sterben.»

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