«Mit meiner 50-Prozent-Anstellung als Spitex-Pflegerin und dem Nebenjob im Opernhaus Zürich verdiene ich gerade genug. Natürlich muss ich mich bei den Ausgaben beschränken. Mein Geld reicht immer für Bücher und gute Wanderschuhe; ich brauche hingegen weder teure Ferien noch ein Auto.

Vor vier Jahren hatte ich eine echte Krise. Eigentlich wollte ich die Fachhochschule für soziokulturelle Animation mit Diplom abschliessen. Ich merkte aber, dass ich damit nur versuchte, den Anforderungen der Gesellschaft zu genügen, dass meine wirklichen Anliegen auf der Strecke blieben. Es brauchte viel Mut, die Ausbildung abzubrechen und meinen eigenen Weg zu suchen. Auf diesem Weg geht niemand voraus. Es bleibt nur, den Blick nach innen zu richten.

Nun lässt mein reduziertes Arbeitspensum jeden Nachmittag Raum, den ich immer neu füllen kann. Während meiner Krise habe ich mich hilf- und kraftlos gefühlt, wenn ich sah, wie wir mit der Erde und uns selbst umgehen. Jetzt widme ich meine Nachmittage Projekten, die im Kleinen etwas bewirken. Als Erstes realisierte ich mit vier Gleichgesinnten ein Solarboot, das seit diesem Sommer an der Bootsvermietung Zürich-Enge für alle zu mieten ist. Zirka ein Jahr Arbeit steckt darin. Verdient habe ich dabei keinen roten Rappen. Dafür habe ich mit diesem Schritt aus der Resignation die Lebensfreude und den Glauben an die Zukunft wiedergewonnen.»

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