Der 48-jährige Enkel des Verlagsgründers Paul Haupt (1889 bis 1978) und heutige Hauptaktionär entschuldigt sich für seine leichte Verspätung. Er hatte eben «eine irrsinnig schöne Begegnung mit einem Autor». Wenn der Verleger von seinem Job spricht, öffnet sich sein Gesicht. Er liebt Bücher. Kann ein Schwärmer ein erfolgreicher Geschäftsmann sein?

Offenbar schon. Der Haupt-Verlag, ein Unternehmen mit 35 Angestellten und sechs Millionen Franken Umsatz, ist Marktleader für kunsthandwerkliche Literatur im deutschsprachigen Raum. Die Konkurrenz sitzt in den Metropolen, in Frankfurt am Main und in Wien, nicht in Trubschachen. «Wir arbeiten nicht in einer geschützten Werkstatt.» Pro Jahr produziert der Verlag an die 150 Bücher – nicht geblümelte Belletristik, sondern das trockene Brot der Fach- und Sachbuchtitel. Bücher aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Management und Recht. «Marketingmässig macht es keinen Unterschied, ob man Bücher verkauft oder Haarspray», sagt er.

Erfolg, wie er im Buche steht


Haupt muss es wissen. Zweieinhalb Jahre lang liess er sich in Tucson/Arizona in den USA ökonomisch ausbilden. Zurück in der Schweiz, heuerte er bei einem weltweit tätigen Konzern als Produktmanager an, verkaufte Sonnenschutzmittel, Haarspray und Mundhygieneprodukte. «Doch am Abend, wenn ich jeweils den Schlüssel im Schloss gedreht habe, fragte ich mich oft: ‹Kann es das sein?›» Nach fünf Jahren beschloss er, den Job in der Kosmetikbranche aufzugeben.

Nun führt er den eigenen Verlag. Respekt den Mitarbeitern gegenüber sei ihm wichtig. Was heisst das? Das Lohngefälle zwischen Kader und Basis dürfe zum Beispiel nicht zu gross sein, findet er. Dass ein Chef einer Grossbank hundertmal mehr verdient als einer der Bankangestellten, findet er falsch. Ein Fünftel der Haupt-Angestellten sind langjährige Mitarbeitende über 50. Obwohl ältere Arbeitnehmer teurer sind und mehr Ferien haben, «nehmen wir deswegen nicht nur noch 30-Jährige». Und der Verlag bildet vier Lehrlinge aus, das sind mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter. «Das ist ein grosser Aufwand.» Auch eine Krippe oder eine Mensa hätte er gern, doch dafür ist der Betrieb zu klein. Und im Unterschied zur anonymen Kapitalgesellschaft brauche man den Gewinn «nicht, um den Hauptaktionär zu befriedigen, sondern um das Geld wieder vorzulegen. Daher kommt ja der Begriff Verleger. Er legt Geld vor.»

Arbeiten an bester Lage


Respekt, Fairness, Achtung. Als ob er seinen Worten selber misstraute, schiebt er sofort nach, dass er nicht eine Art sozialer Vorzeigeunternehmer sei. Im Betrieb herrsche keine «Gleichmacherei». «Wer sich einsetzt, soll seinem Output und seiner Verantwortung entsprechend bezahlt werden.»

Natürlich musste er auch schon jemandem kündigen. Natürlich seien nicht alles Idealisten in der Firma. «Nein, dieses Bild wäre falsch. Wir wollen und müssen Gewinn machen.»

Die Unterschiede zum Normalbetrieb sind klein, aber fein. So arbeiten die Haupt-Leute nicht in einer Bürokaserne, sondern im Jahrhundertwende-Haus der Hauptschen Grosseltern in der Länggasse – an bester Berner Lage. Auch wer nicht in erster Linie an Eigenkapitalrenditen denkt, kann sich einen schönen Standort ohne Sorgen um allfällig entgangene Immobilienerträge offenbar leisten.

Quelle: Beatrice Künzi