Die Heilmittelkontrollstelle Swissmedic will bei zehn in der Schweiz erlaubten Medikamenten vor der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, der menschlichen Form von BSE, warnen. Die Hersteller der Präparate, die in der Fortpflanzungsmedizin zur hormonellen Stimulation der Eizellenproduktion genutzt werden, sollen in der Produkteinformation diesen Zusatz abdrucken: «Der Wirkstoff dieses Präparats wird aus humanem Urin gewonnen. Daher kann die Übertragung von Erregern bekannter oder unbekannter Natur einschliesslich Prion-Proteinen nicht völlig ausgeschlossen werden.»

Auf den ersten Blick scheint das Vorhaben vernünftig. Gleichwohl ärgert sich Bruno Imthurn, leitender Arzt der Klinik für Endokrinologie am Universitätsspital Zürich: «Die Aufgabe von Swissmedic ist es, zu entscheiden, ob ein Medikament sicher ist oder nicht. Mit diesem Zusatz zur Produkteinformation nimmt sie diese Aufgabe nicht wahr, sondern wälzt vielmehr die Verantwortung auf den Konsumenten ab, der damit bestimmt überfordert ist.»

Swissmedic will zu diesem Vorwurf keine Stellung nehmen, da es sich um laufende Verfahren handle. Die Kontrollstelle muss juristisch gegen Firmen vorgehen, von denen sie etwas fordert – wie diesen Zusatz zur Produkteinformation.

Während die Konsumentinnen ratlos bleiben, dürften sich die Hersteller biotechnologisch hergestellter Hormonpräparate über die Unentschlossenheit von Swissmedic freuen: Ihre Produkte können das Gleiche, kosten aber rund viermal mehr.