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AbnehmenDas Wundermittel gibt es nicht

Fettblocker, Quellstoffe, Appetitzügler: Produkte aus der Apotheke können helfen, überschüssige Pfunde loszuwerden – aber nur, wenn es medizinisch nötig ist. Pillen werden niemals Bewegung und eine gesunde Ernährung ersetzen.

Viele träumen von DER Pille, die die Pfunde schmelzen lässt und gleichzeitig gesund ist.
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aktualisiert am 04. Januar 2018

Pille rein und Pfunde weg? Der Griff in die Pharmakiste ist verlockend. Doch so einfach ist es nicht. Wer abnehmen will, muss zuerst seine Lebensweise überdenken und nachhaltig ändern. Dazu gehört die Umstellung der Ernährung und regelmässige körperliche Bewegung. Erst wenn konventionelles Abnehmen nicht erfolgreich war – auch nach mehrmaligen fachlich betreuten Versuchen – und wenn der Body-Mass-Index (BMI, siehe Artikel zum Thema «Wenn Sie Ihre Pfunde dicke haben») höher ist als 30, kann der zusätzliche Einsatz von Medikamenten sinnvoll sein. Bei Patienten mit Grund­erkran­kungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder hohen Blutfettwerten ist die Therapie mit Medikamenten bereits ab einem BMI-Wert von 27 zu erwägen.

Die medikamentöse Behandlung muss aber unbedingt in Zusammenarbeit mit dem Arzt erfolgen. Und trotz Medikamenten sollte das «Basisprogramm» beibehalten werden. Denn eine Behandlung allein mit Medikamenten ist nicht sinnvoll. Arzneimittel können nur unterstützen; sie ersetzen weder eine massvolle Diät noch den Sport. Wer nach einer erfolgreichen Gewichtsreduktion gleich viel isst wie zuvor, nimmt das verlorene Gewicht wieder zu und wiegt sogar mehr als vorher.

Es gibt drei Typen von Medikamenten, die beim Abnehmen helfen können:

 

  • Fettblocker: Sie verhindern die Aufnahme von Fett.
  • Quellstoffe: Sie fördern das Sättigungsgefühl bereits im Magen.
  • Appetitzügler: Sie unterdrücken das Hunger­gefühl im Gehirn.


Unter den Fettblockern scheint Orlistat das Medikament erster Wahl zu sein aufgrund seines relativ geringen Nebenwirkungspotentials. Der Wirkstoff hemmt die Spaltung der Nahrungsfette im Darm, wenn er zu einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen wird. Dadurch wird knapp ein Drittel der Fette unverändert ausgeschieden. Es sind Nebenwirkungen wie Blähungen, Durchfall oder übelriechender Fettstuhl möglich. Orlistat kann die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D und E behindern. Den Vitaminverlust muss man bei längerer Behandlung eventuell ausgleichen.

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Weshalb nehmen wir eigentlich zu? Und weshalb ist Zunehmen einfacher als Abnehmen?

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Quellstoffe helfen Übergewichtigen beim Abnehmen, indem sie den Magen ausfüllen, ohne dem Körper Kalorien zuzuführen. Vor jeder Mahlzeit nimmt man eine Tablette ein, um beim anschliessenden Essen schneller satt zu werden. Die Produkte aus Alginaten, Kollagen oder Cellulose sind stark quellfähig und saugen sich im Magen wie ein Schwamm voll. Sie greifen nicht in die Körperchemie ein, sondern wirken rein physikalisch. Ausserdem werden sie vom Körper nicht aufgenommen, sondern wieder vollständig ausgeschieden. Die Nebenwirkungen sind bei sachgemässer Anwendung sehr gering.

Die Hersteller müssen ihre Produkte deshalb nicht als Arzneimittel anbieten; sie werden als sogenannte Medizinprodukte zugelassen. Das ist einfacher und billiger. Präparate mit Cellulose sind jedoch nur noch auf Rezept erhältlich, da sie eine zwar seltene, aber schwere Nebenwirkung verursachen: Wird zur Tablette zu wenig Flüssigkeit eingenommen, besteht die Gefahr eines Darmverschlusses. Zu wenig Flüssigkeit vermindert einerseits die Wirkung, anderseits kann der Stoff im Darm stecken ­bleiben. Wer zu wenig trinkt, dem droht Dehydrierung. Denn der Verdauungsapparat entzieht dem Körper Wasser. Quellstoffe scheinen aber weniger schädlich zu sein als etwa Appetitzügler.

Appetitzügler sind Medikamente, die das Abnehmen pharmakologisch unterstützen sollen. Sie fördern im Gehirn die Freisetzung der Botenstoffe Serotonin und Nor­adrenalin und dämpfen damit das Hungergefühl. Sie verursachen aber häufig Nebenwirkungen wie Puls- und Blutdruckerhöhung­ und können auf Dauer ab­hängig machen. Deshalb – und weil bei der Anwendung über einen längeren Zeitraum Nebenwirkungen wie depressive Störungen häufig sind – wurden in der Schweiz sämtliche Produkte vom Markt genommen.

Was bringen «Speck-weg-Kapseln»?

Fast immer nutzlos sind Mittel, bei denen die Werbung das Blaue vom Himmel verspricht. Die «Speck-weg-Kapsel» oder das «Traumfigur-in-einer-Woche-Pflas­ter» gibt es nicht. Die Inhaltsstoffe solcher Produkte sind unwirksam oder so gering dosiert, dass selbst mehrere Kapseln, gleichzeitig geschluckt, nicht wirken würden. Die Preise für diese fragwürdigen Produkte sind jedoch ziemlich hoch.

Appetitzügler, die nicht nur diese Bezeichnung tragen, sondern auch die entsprechenden Wirkstoffe enthalten, sind verschreibungspflichtig. Sie sollten grundsätzlich nur in der Apotheke bezogen werden. Bestellt man Appetitzügler übers Internet und ist die Quelle nicht näher beschrieben, sollte man vorher den Rat des Arztes oder Apothekers einholen, da bei Produkten aus dem Internet die genaue Zusammensetzung und Legalität nicht sichergestellt ist.

Aus dem Internet bestellte Produkte können zu schweren Nebenwirkungen führen. Es sind Fälle bekannt, bei denen vermeintlich harmlosen Rezepturen der verbotene Appetitzügler Sibutramin beigemischt war. Bei Adipositas-Mitteln, die Seetang enthalten, besteht die Gefahr ­einer Jod-Überversorgung. Es ist daher wichtig, Medikamente gegen Übergewicht und Adipositas ausschliesslich in der Apotheke zu beziehen. Apotheken und legale Hersteller- und Vertriebskanäle unternehmen grosse Anstrengungen, um sicherzustellen, dass die Schweiz mit ungefährlichen Medikamenten versorgt wird.

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