«Freiwillig in der Stadt leben?» Rosy, 37, und Franz Durrer, 42, schauen entsetzt. «Um kein Geld der Welt.» Die beiden führen einen Bergbauernhof im obwaldnerischen Kerns. Hier sind sie aufgewachsen, hier gefällt es ihnen. Es gibt viel zu tun, im Stall, auf dem Hof, im Wald. Und im Winter sind Durrers zeitweise von der Umwelt abgeschnitten.

Trotzdem: «Mir wäre es in der Stadt viel zu eng und zu anonym», sagt die fünffache Mutter. Hier kennt jeder jeden. Dass dafür auch alle alles über jeden wissen, stört sie nicht. «Solange noch von einem geredet wird, lebt man.»

Um einen Batzen dazuzuverdienen, serviert Rosy Durrer am Wochenende an Dorffesten. Damit könne sich die Familie dann mal etwas Spezielles leisten etwa einen Computer. «Darum kommen wir nicht herum, jetzt, wo Anita in die Oberstufe geht», sagen die Eltern. Ob es dann auch einen Internetanschluss gibt, ist noch nicht entschieden. «Ich weiss nicht recht», zweifelt Rosy Durrer. «Internet ist teuer und kann süchtig machen.»

Rosy Durrer geht gern «lädele». Doch dazu fährt sie nicht in die Stadt, sondern am liebsten ins Shopping-Center in Emmen. «Dort hat es wenigstens genug Parkplätze, und alle Läden sind an einem Ort.» Franz Durrer kommt mit der Stadt höchstens in Berührung, wenn er an eine Viehausstellung fährt. Einfach so durch die Stadt zu schlendern käme ihm nicht im Traum in den Sinn. «Was soll ich dort die Freizeit vergeuden?»

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Auch für die Kinder ist Stadtausgang noch kein Thema. Selbst die 14-jährige Anita geht in ihrer Freizeit lieber mit ihren Kolleginnen an den Bach oder in den Wald. «Dort kann man alles machen und ist frei.» Ausserdem besuchen die drei Mädchen die Trachtengruppen, und Bruno macht bei den Singbuben mit.

Franz Durrer wundert sich zuweilen über die Vorstellungen, die die Städter von den Bergbauern haben: «Sie meinen, wir seien Hinterwäldler und "Säuniggle", oder dann glauben sie, wir hätten ein einfaches Leben.» Er nimmts jedoch gelassen: «Wenn sie mit uns reden, merken sie schnell, dass das nicht stimmt. Wir haben wohl auch komische Vorstellungen von der Stadt, oder?»

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