• Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kamen viele Immigranten aus Nachbarstaaten in die Schweiz. Um 1900 lebten fast 30 Prozent Ausländer in Zürich. Vor allem die Italiener wurden als Lohndrücker, Steuerhinterzieher und «sittlich Verkommene» beschimpft. 1896 kam es in Zürich zum grossen «Italienerkrawall».

  • Vor 1914 und in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen lebten zahlreiche Deutsche in der Schweiz: politische Flüchtlinge, die sich der Zensur des Kaiserreichs und der Verfolgung durch die Nazis entzogen. Infolge Wirtschaftskrise und restriktiver Einwanderungspolitik sank der Ausländeranteil von 16 Prozent (1914) auf 5 Prozent (1939).

  • Während des Zweiten Weltkriegs gewährte die Schweiz 240'000 Menschen vorübergehend Zuflucht, darunter 20'000 Juden. Hartherzig handelten die Behörden dagegen nach 1941, als sie mehrere tausend Flüchtlinge zum Teil in den sicheren Tod zurückschickten.

  • Das Image der deutschen Grenzgänger und Kaderleute in der Schweiz war nach dem Zweiten Weltkrieg besonders schlecht («Sauschwaben»). In der Hochkonjunktur holte die Schweizer Wirtschaft über eine halbe Million Gastarbeiter aus Italien. Der Ausländeranteil lag 1970 wieder bei 16 Prozent. Und wiederum galten die Italiener als «dreckig», «faul» und als «Messerstecher».

  • Als Helden wurden dagegen die Flüchtlinge aus kommunistischen Ländern gefeiert: 1956 kamen 14'000 Ungarn, 1968 über 12'000 Tschechen und Slowaken und ab 1973 viele Vietnamesen. Zur meistgeliebten Minderheit wurden die Tibeter (ab 1960).

  • Die ab 1983 eintreffenden Tamilen wurden als Terroristen und Dealer abgestempelt. Die Deutschen, Italiener, Spanier und Portugiesen gelten seither als «gute Ausländer», praktisch als «halbe Schweizer».

  • Heute zählen die Tamilen zu den fleissigsten Arbeitskräften im Land. Derweil sind Emigranten aus Ex-Jugoslawien, die bereits zur Zeit der Tito-Herrschaft (bis 1980) und vor dem Bosnienkrieg (1991 bis 1996) als unauffällige und geschätzte Gastarbeiter hier lebten, die neuen Sündenböcke.
Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.