«Bei mir kommt nie mehr ein Beobachter ins Haus!» Die Dame war nicht die Einzige, die nach Erscheinen der Ausländer-Titelgeschichte (Beobachter Nr. 15) zum Hörer griff. Das Redaktionstelefon klingelte pausenlos. Wiederholt wurde die Bitte geäussert, die Schweiz und die Schweizer doch nicht dauernd schlecht zu machen. Sehr oft war auch von der Angst um Eigenständigkeit, um intakte Sitten die Rede.

Reger Austausch im Internet
Im Internetforum meldeten sich innerhalb einer Woche über 200 Leserinnen und Leser – so viele wie noch nie. Die Stellungnahmen haben auch hier zum Teil einen bitteren Unterton: «Müssen wir uns neuerdings auch am Nationalfeiertag schämen?» Oder: «Wann haben unsere Schulkinder endlich wieder das Recht, in unserer Muttersprache zu lernen?» In vielen Äusserungen kommt sinngemäss zum Ausdruck: «Ich fühle mich überfordert angesichts der vielen Kulturen.»

Je deutlicher eine Aussage, umso klarer fällt die Entgegnung darauf aus. «Es gibt Menschen, die es nicht verdienen, in der Schweiz zu bleiben», findet zum Beispiel Thomas. «Und wer entscheidet, wer dies verdient?», antwortet ihm Herr Koch. Andi führt ein Bibelzitat an: «Ein und dasselbe Recht soll für euch gelten und den Fremden, der bei euch wohnt.» – «Die Toleranz aber wird durchs Band missbraucht!», erwidert Liliane.

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Patentlösungen werden nur wenige angeboten. Freilich: Die Wut auf «die von Bern» ist streckenweise gross. «Es ist Zeit, den Bundesrat mit den Ausländern zum Teufel zu jagen», schreibt etwa Rolf.

Doch oft ist die Auseinandersetzung differenzierter. Auch bei denen, die ihre Worte abwägen, ist häufig grosses Unbehagen oder gar Angst spürbar. Der Beobachter nimmt dies ernst – das Thema ist keineswegs abgeschlossen.