Ein rücksichtsloser Raser ist Antonio Steffanon aus Emmenbrücke LU gewiss nicht. Nur ein oder zwei kleinere Blechschäden hatte er in über 40 Jahren Fahrpraxis. Trotzdem bestraft ihn seine Motorfahrzeugversicherung. Der TCS erhöhte ihm für 2005 die Prämie um gut 100 Franken. Als sich Steffanon nach dem Grund erkundigte, wurde ihm beschieden, der Aufschlag hänge mit seiner Nationalität zusammen: Steffanon hat auch nach 44 Jahren in der Schweiz noch den italienischen Pass. «Liesse ich mich einbürgern, müsste ich weniger bezahlen, rechnete mir der TCS-Mitarbeiter vor», erinnert er sich an das Gespräch.

Würde der 65-jährige Antonio Steffanon also nach Meinung des TCS sicherer fahren, wenn er einen Schweizer Pass besässe? «Das Argument der Einbürgerung kam nach einer sehr emotionalen Diskussion aufs Tapet», übt sich der TCS gegenüber dem Beobachter in Schadensbegrenzung. Zwar stellt Marketingchef Daniel Schürch mittelfristig «verfeinerte Tarifkriterien» in Aussicht, er verteidigt aber gleichzeitig die grundsätzliche Tarifpolitik: «Die Prämien sind höher, weil selbst seit Jahrzehnten hier ansässige Ausländer häufiger ins Ausland fahren als Schweizer. Und im Ausland ist das Diebstahlrisiko grösser.» Der Unterschied sei aber kleiner als etwa bei den als Rasern verschrieenen Lenkern aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Es gebe ohnehin «keine Gerechtigkeit» bei den Prämien; so bezahle etwa ein Zürcher mehr als ein Luzerner.

An Antonio Steffanons Empörung über seine Diskriminierung ändert diese Argumentation freilich nichts.